Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Über viele Jahrzehnte hinweg war Rüthen ein bedeutender Ort der Schulreform und Lehrerausbildung in Westfalen. Bereits 1795 gründete Pfarrer Friedrich Adolf Sauer hier ein Lehrerseminar. Gemeinsam mit dem Geistlichen Melchior Ludolf Herold setzte er sich für eine grundlegende Erneuerung des Schulwesens im Herzogtum Westfalen ein. Herold engagierte sich besonders für die Verbreitung der sogenannten Industrieschulen im Sauerland.
Die Idee der Industrieschulen
In den Industrieschulen erhielten vor allem Kinder aus ärmeren Familien neben dem regulären Unterricht eine praktische Ausbildung in Handarbeit und alltäglichen Fertigkeiten. Dahinter stand die Überzeugung, Armut besser durch Bildung und Arbeit vorzubeugen, statt sie später durch Almosen lindern zu müssen.
Jungen wurden überwiegend in gärtnerischen Tätigkeiten unterrichtet. Mädchen lernten Stricken und andere Handarbeiten. Langfristig konnte sich dieses Schulmodell jedoch nicht durchsetzen. In vielen Fällen überwog die praktische Arbeit gegenüber der Allgemeinbildung, sodass die Einrichtungen zunehmend als eine Form der Kinderarbeit kritisiert wurden.
Bild oben: Absolventen des Lehrerseminars auf der Treppe des Rüthener Rathauses
Eigentum: Zidi

