Das königlich-preußische Lehrerseminar
Als in Westfalen in den 1870er Jahren erneut Lehrermangel herrschte, gründete man 1876 in Rüthen ein königlich-preußisches Lehrerseminar für männliche katholische Kandidaten.
Allein im letzten Rüthener Seminar wurden zwischen 1876 und 1926 1.462 Volksschullehrer ausgebildet.

Die Ausbildung dauerte drei Jahre. Ab 1894 ergänzte eine Präparandie – eine Vorbereitungsschule gegenüber dem Rathaus – die Lehrerausbildung. Dort erhielten die meist 15‑jährigen Kandidaten über drei Jahre hinweg eine weiterführende schulische Vorbereitung durch die Seminarlehrer.

Zur Ausbildung gehörte neben dem theoretischen Unterricht auch praktische Erfahrung: Die angehenden Lehrer unterrichteten bereits während ihrer Ausbildung in einer eigens eingerichteten Übungsschule.

1915 zog das Seminar in einen modernen Neubau um und erhielt den Namen „Kaiser-Wilhelm-Lehrerseminar“.

Mit der Einführung des Abiturs als Voraussetzung für die Volksschullehrerausbildung begann Anfang des 20. Jahrhunderts die Auflösung vieler Lehrerseminare. Auch das Rüthener Seminar wurde 1926 geschlossen. Die Schließung stand im Zusammenhang mit den Reformen der Lehrerbildung in der Weimarer Republik, die eine stärker akademische Ausbildung an Hochschulen vorsahen.

Das Lehrerseminar war für Rüthen sowohl wirtschaftlich als auch kulturell von Bedeutung. Zeitgenössische Quellen berichten, dass es die Innenstadt „wirtschaftlich belebte“.

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