Text und Fotos: Christel Zidi

In der alten und wunderschönen St.-Lambertus-Kirche in Ense-Bremen hängt ein historisches Heiligenbild. Das Gemälde zeigt die biblische Szene der Verkündigung Mariens. Auffällig sind mehrere tiefe Einschnitte in der Bildfläche, die offenbar von einer Klinge stammen. In Bremen ist das Gemälde bis heute als das „Schwedenbild“ bekannt.

Wie es zu diesen Beschädigungen kam, erklärt eine Überlieferung – genauer gesagt eine Legende –, die auf einer Tafel unter dem Bild festgehalten ist.

In modernes Deutsch übertragen lautet ihr Inhalt:

Ein Soldat, ein harter Mann aus langer Kriegszeit, griff das Marienbild mit seinem Schwert an und hinterließ dabei eine beleidigende Inschrift. Doch diese Tat blieb nicht ungestraft: Der Reiter, als „wilder Schwede“ bezeichnet, brach noch vor dem Stadttor tot zusammen. Auch sein Pferd soll nach der Flucht, nachdem es noch aus dem Bremer Bach getrunken hatte, verendet sein. Die Geschichte deutet das Geschehen als göttliche Strafe für Gotteslästerung und Frevel.

Auf den ersten Blick ist unklar, warum das Gemälde „Schwedenbild“ genannt wird, obwohl der Frevel offenbar nicht während der sogenannten Schwedenkriege begangen wurde. Diese Bezeichnung lässt sich jedoch aus dem historischen Kontext erklären.

Die „Schwedenkriege“

Im Sauerland bezeichnet man mit den Schwedenkriegen die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), insbesondere die Phase ab 1630, als schwedische und mit ihnen verbündete protestantische Truppen in Westfalen operierten. Das überwiegend katholische Sauerland gehörte damals größtenteils zum Kurfürstentum Köln und geriet dadurch in den Einflussbereich der kriegerischen Auseinandersetzungen – auch wenn es kaum Schauplatz größerer Schlachten war.

Stattdessen litt die Region vor allem unter Truppendurchzügen, Besetzungen und Einquartierungen. Dörfer und Städte mussten Soldaten beherbergen und versorgen sowie hohe Abgaben leisten. Dies führte häufig zu Plünderungen, Gewalt und Zerstörungen. Kirchen, Klöster und Höfe wurden ausgeplündert, Vieh und Ernten geraubt, Hunger und Armut waren weit verbreitet.

In der Bevölkerung entstand eine ausgeprägte „Schwedenfurcht“. Der Begriff „Schweden“ wurde dabei oft pauschal für feindliche Soldaten verwendet, unabhängig von ihrer tatsächlichen Herkunft. Die Folgen dieser Zeit waren ein deutlicher Bevölkerungsrückgang durch Krieg, Seuchen und Not sowie ein langanhaltender wirtschaftlicher Niedergang.

Gleichzeitig prägte die Erfahrung der Schwedenzeit das kollektive Gedächtnis der Region nachhaltig. Sie trug dazu bei, dass das Sauerland nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges seine katholische Identität bewusst bewahrte – und erklärt, warum sich der Name „Schwedenbild“ bis heute erhalten hat.