Zwei bemerkenswerte historische Besonderheiten
Giershagen weist zwei historisch herausragende Besonderheiten auf: die Kluskirche (Kluskapelle), deren Ursprünge ins 12. Jahrhundert reichen, und eine jährlich stattfindende Pferdeprozession, deren Anfänge auf das Jahr 1709 zurückgehen.
In Niederupssprunge (heute Giershagen) befand sich eine Kapelle aus karolingischer Zeit, die im 12. Jahrhundert durch die Kluskirche ersetzt wurde. Ursprünglich handelte es sich um einen einschiffigen romanischen Bau mit einem quadratischen Turm, der als Wehrturm angelegt war. 1682 erweiterte der Bredelarer Abt Absalom Heuck den Bau. Um 1700 erhielt die Kirche zahlreiche Bildstöcke aus der Werkstatt des bedeutenden Barockbildhauers Heinrich Papen; auch der neue Barockaltar stammt aus dieser Werkstatt.
Die Kluskirche wurde unter das Patronat der Heiligen Fabian und Sebastian gestellt und entwickelte sich früh zu einer Wallfahrtskirche. An der jährlichen Prozession zur Kluskirche mit anschließender Kirchmess nahmen viele Menschen aus der Region teil. 1475 gewährte der Papst einen Ablass für die Teilnahme; 1693 erweiterte Papst Innozenz XII diesen um den vollkommenen Ablass für den Besuch der Kluskirche an hohen Feiertagen und bei Prozessionen.
Als einzige erhaltene Wüstungskirche in Westfalen besitzt die Kluskirche eine rechtliche Besonderheit: Nicht die Kirchengemeinde, sondern das Land Nordrhein‑Westfalen trägt die Verantwortung für ihren Erhalt, da sie zu den wenigen landesherrlichen Patronaten gehört.
Da die Kluskirche nach der Umsiedlung der Bevölkerung nur zu Fuß oder zu Pferde erreichbar war, könnte ein Zusammenhang zur zweiten historischen Besonderheit bestehen: der Pferdeprozession, die 1709 entstand.
Die Giershagener Pferdeprozession

Im Jahr 1709 grassierte im Sauerland eine verheerende Pferdeseuche („Pferdepest“), von der Giershagen stark betroffen war. Für die bäuerlichen Betriebe des Barockzeitalters waren Arbeitspferde unverzichtbar; ihr Verlust bedeutete existenzielle Bedrohung. Die Giershagener Bauern legten – wie viele andere betroffene Gemeinden – ein Gelübde ab und versprachen, jedes Jahr eine Prozession abzuhalten, zum Dank und zum Schutz ihrer Tiere.
Diese Prozession wurde bis 1967 durchgeführt, dann bis 1996 ausgesetzt und wird seitdem von einem engagierten Organisationsteam wiederbelebt. Sie gilt als die einzige erhaltene Pferdeprozession im gesamten Erzbistum Paderborn.
In der regionalgeschichtlichen Forschung wurden Wallfahrt zur Kluskirche und Pferdeprozession lange getrennt betrachtet. Ein neuerer Ansatz sieht jedoch eine Verbindung: Vieles spricht dafür, dass die 1709 initiierte Pferdeprozession ältere Traditionen der Wallfahrt zur Kluskirche aufgegriffen und weitergeführt hat.
Quellen:
www.giershagen.de (Ortsgeschichte / Pferdeprozession)
Hans‑Dieter Tönsmeyer, Jahrbuch des Hochsauerlandkreises 2018
www.sauerlandkurier.de (Artikel „300 Jahre Pferdeprozession“)
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