Ob diese Sage einen wahren geschichtlichen Kern besitzt, lässt sich nicht feststellen. Möglicherweise enthält sie Erinnerungen an wesentlich jüngere Ereignisse und vermischt dabei historische Zeiten.
Die Sage erzählt vom sächsischen Anführer Thoras, seiner Tochter Tharanta und der Heilerin Tina, einer Sugambrerin. Der in der Sage genannte Volksstamm der Sugambrer und die Sachsen gehören eigentlich unterschiedlichen Epochen an. Die Sugambrer sind vor allem aus der römischen Kaiserzeit um die Zeitenwende bekannt, während die Sachsen erst mehrere Jahrhunderte später in den schriftlichen Quellen erscheinen.

Der Ossenstein ist heute als Naturdenkmal geschützt. Die markante, mehr als fünf Meter hohe Felsklippe gilt wegen ihrer natürlichen Eigenart und ihrer landeskundlichen Bedeutung als schützenswert. Im Landschaftsplan Sundern wird zudem erwähnt, dass der Felsen als germanische Kult- und Opferstätte gedeutet wird – nachgewiesen ist eine solche Nutzung allerdings nicht.
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Auch fallen Ähnlichkeiten zu einem Hexenprozess im Jahre 1591 auf, der im nahegelegenen Rönkhausen gegen Trina Schomacher stattfand. Unter der Folter nannte sie einen „Tanzplatz auf dem Ossenberg bei Landemert“, an dem sich mehrere Frauen getroffen haben sollen.
Die Ähnlichkeiten zur Wildewiese-Sage fallen zumindest auf: Trina wird zu Tina, aus der vermeintlichen Hexe wird eine heilkundige und geheimnisvolle Frau, dem Ossenberg steht der Ossenstein gegenüber und aus einem Tanzplatz wird eine alte Thing- und Opferstätte.
Ob der Rönkhauser Hexenprozess zur Entstehung der später niedergeschriebenen Sage beigetragen hat, lässt sich nicht beweisen. Vielleicht haben sich Erinnerungen an reale Ereignisse mit älteren Vorstellungen und Erzählungen vermischt.
Wie solche Erzählungen von Rönkhausen nach Wildewiese gelangt sein könnten, lässt sich ebenfalls nachvollziehen. Schließlich gehörten beide Orte im 16. Jahrhundert der Mutterpfarrei in Schönholthausen an.
Quellen:
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zum Regionalplan Regierungsbezirk Arnsberg – Kreis Soest und Hochsauerlandkreis, Abschnitt K 21.16 „Raum Wildewiese“.
LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen:
Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Regionalplanung – Regierungsbezirk Arnsberg, Abschnitt „Raum Wildewiese“.
Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS): Südhessisches Flurnamenbuch, Stichwort „Wild“.
Hexenprozess: Archiv Herdringen, Rep. X, Fach 43, Nr. 32

