Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Die Arbeitswelt des Sauerlandes war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein stark von Männern geprägt. Frauen hatten kaum Zugang zu eigenständigen Erwerbstätigkeiten: Bis 1958 entschied der Ehemann, ob seine Frau überhaupt arbeiten durfte, und noch 1977 galt, dass eine Berufstätigkeit nur zulässig sei, wenn sie „mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ war.

Auch Kinderarbeit war im 19. Jahrhundert weit verbreitet. In Fabriken, Bergwerken und auf den Feldern arbeiteten Jungen und Mädchen unter Bedingungen, die aus heutiger Sicht erschütternd sind. Erst 1839 wurde die Fabrikarbeit für Kinder unter zehn Jahren verboten; ein generelles Verbot der Kinderarbeit in der Landwirtschaft trat in der Bundesrepublik sogar erst 1960 in Kraft.

Besonders bedrückend ist das Schicksal der sogenannten Kaminfegerkinder, die seit dem 16. Jahrhundert belegt sind. Wegen ihrer geringen Körpergröße wurden sie in enge Kamine geschickt – unter gefährlichen und unwürdigen Umständen. Armut zwang viele Familien dazu, ihre Kinder für diese Arbeit „zu vermieten“.

Frauen und Kinder gehören daher nicht zu den „vergessenen Berufen“ im engeren Sinne – doch ihre Lebenswirklichkeit sollte niemals in Vergessenheit geraten.

Unter den Männern hingegen begegnen uns zahlreiche Berufsbezeichnungen, die heute kaum noch geläufig sind: Köhler, Fuhrmann, Böttger, Harzer, Sandmann, Drahtzieher, Ausrufer, Wasenmeister und viele andere. Auch die Maulwurffänger zählen zu diesen Tätigkeiten, die einst selbstverständlich waren und heute erklärungsbedürftig erscheinen.

Seit dem 9. Jahrhundert n. Chr. wurde im Sauerland Holzkohle hergestellt – ein unverzichtbarer Brennstoff für die Eisenverhüttung. Die Köhlerei gehört zu den ältesten Handwerkstechniken der Menschheit, auch wenn sie nie ein formaler Ausbildungsberuf war.

Köhler verschwelten Holz in großen Meilern und lebten während der Saison monatelang im Wald. Ihr Alltag war geprägt von harter körperlicher Arbeit, Einsamkeit und bescheidenen Lebensverhältnissen. Ein eindrucksvolles Beispiel für diese historische Technik bietet das Köhlermeilengelände in Hirschberg.

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