Vor- und Frühgeschichte
DIE STEINZEIT
Altsteinzeit (ca. 250.000–10.000 v. Chr.)
Aus der Altsteinzeit wurden im Sauerland nur wenige Spuren gefunden. Dazu gehören Tierknochen und Werkzeuge aus der Balver Höhle am Rande des Sauerlandes, ein Schaber aus Kieselschiefer („dem Stahl der Steinzeit“) aus Freienohl sowie eine Stielspitze aus Meschede-Stockhausen, die von Rentierjägern benutzt wurde. Im „Hohlen Stein“ bei Kallenhardt wurden sogar Spuren von Rentierjägern aus dem Ende der letzten Eiszeit entdeckt.
Man kann noch nicht von Stämmen sprechen. Es waren eher kleine Gruppen, die auf der Suche nach Wild – nach Mammuts, Wollnashörnern und Rentieren – durchs Land zogen.
Welche Menschengruppen während der Altsteinzeit im heutigen Sauerland lebten, lässt sich nur teilweise rekonstruieren. In Frage kommen Neandertaler, die bis vor etwa 40.000 Jahren auch in Westfalen ihre Spuren hinterließen, später der Homo sapiens sowie die Menschen der Federmesser- und Ahrensburger Kultur. Diese Bezeichnungen wurden ihnen später von Archäologen gegeben; es handelt sich nicht um Volks- oder Stammesnamen. Sie beschreiben Gemeinsamkeiten bei Werkzeugen, Jagdtechniken oder Bestattungssitten. Es waren durchweg Jäger und Sammler, also Menschen, die noch nicht dauerhaft sesshaft waren.
Mittelsteinzeit (ca. 10.000–5500 v. Chr.)
Während der Mittelsteinzeit ebten die Menschen noch als Jäger, Sammler und Fischer und zogen je nach Jahreszeit durch die Landschaft. Sie nutzten vor allem den im Sauerland vorkommenden Kieselschiefer zur Herstellung kleiner, scharfer Steinwerkzeuge und ergänzten ihn durch importierten Feuerstein. Die waldreiche Region des Sauerlandes war ein wichtiger Lebensraum für die letzten Jäger- und Sammlergruppen.
Jungsteinzeit (ca. 5500–2200 v. Chr.)
Mit der Jungsteinzeit begann ein grundlegender Wandel: Die Menschen wurden sesshaft, legten Felder an und hielten erstmals Nutztiere wie Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine. Archäologische Funde wie geschliffene Steinbeile, Feuersteinklingen und Keramikscherben belegen, dass sich auch im Sauerland dauerhaft Menschen niederließen und die dichten Wälder nach und nach für Siedlungen und Ackerflächen rodeten. Besonders wichtig war der im Sauerland vorkommende Kieselschiefer, aus dem hochwertige Werkzeuge hergestellt wurden; daneben gelangte auch Feuerstein über weite Handelswege in die Region.
Metallzeitalter
Bronzezeit (ca. 2200–800 v. Chr.)
Bronze, eine Legierung aus Kupfer und Zinn, war der wichtigste Werkstoff. Im Sauerland wurde in dieser Zeit hauptsächlich Erz gewonnen; es gab jedoch auch einige Kupfervorkommen, zum Beispiel im Raum Marsberg.
In der Bronzezeit lebten die Menschen in einzelnen bäuerlichen Gemeinschaften. Außerdem wurden zahlreiche Grabhügel angelegt, von denen viele bis heute erhalten sind.
Gegen Ende der Bronzezeit ging die Besiedlung des Sauerlandes zeitweise deutlich zurück. Als Ursachen werden unter anderem klimatische Veränderungen und wirtschaftliche Entwicklungen angenommen.
Ein besonderes Stück aus der Bronzezeit, eine reich verzierte Bronzeamphore, wurde vor einigen Jahren in Gevelinghausen gefunden. Sie stammt aus dem Jahr 800 v. Chr., diente ursprünglich als Kultgefäß und später als Urne.
Eisenzeit
Um 800 v. Chr. begann die Eisenzeit. Langsam wurde auch das Sauerland stärker besiedelt. Die Menschen betrieben Ackerbau und Viehzucht. Auch die Eisenverarbeitung gewann zunehmend an Bedeutung. Erste Wallanlagen entstanden, unter anderem an den Bruchhauser Steinen.
Ob die Bewohner bereits als Germanen oder teilweise als Kelten bezeichnet werden können, ist wissenschaftlich umstritten. Wahrscheinlich handelte es sich um eisenzeitliche Bevölkerungsgruppen mit vielfältigen Kontakten zu den keltischen Gebieten am Rhein und in Hessen.
Zwar wurden vereinzelt keltische Gegenstände gefunden, doch sehen die Archäologen darin keinen sicheren Beleg für eine dauerhafte keltische Besiedlung des Sauerlandes. Ganz ausschließen lässt sie sich allerdings auch nicht.
Römerzeit (ca. 50 v. Chr.–400 n. Chr.)
Die Gebiete an Rhein und Mosel waren die bevorzugten Standorte der Römer. Sie drangen nur gelegentlich in das Sauerland vor. Im Raum Brilon interessierten sie sich besonders für die reichen Bleivorkommen. Gleichzeitig gelangten römische Waren ins Sauerland.
Die germanischen Bevölkerungsgruppen im Sauerland werden aufgrund antiker Schriftquellen teilweise mit den Brukterern oder Sugambrern in Verbindung gebracht. Eine eindeutige Zuordnung ist archäologisch jedoch nicht möglich.
Sachsen und Franken (600–800 n. Chr.)
Während im Norden überwiegend Sachsen siedelten, lebten im Westen und Süden fränkisch beeinflusste Gruppen – und das Sauerland lag genau zwischen diesen beiden Machtbereichen.
Ab 772 n. Chr. begannen die Sachsenkriege unter Karl dem Großen. Bis etwa 804 n. Chr. wurde auch das Sauerland in das Frankenreich eingegliedert und christianisiert.
Quellen
