Text. Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Im Osten der Stadt Arnsberg, im heutigen Ortsteil Oeventrop, ist für das Jahr 1249 ein Hof Wildshausen urkundlich belegt. Der Name erklärt sich vermutlich aus dem reichen Wildbestand, der den Ort für adelige Besitzer attraktiv machte. 1348 war Wildshausen den Grafen von Arnsberg abgabepflichtig und diente wahrscheinlich als Jagdsitz. Die letzte Arnsberger Gräfin, Anna von Kleve, nutzte Wildshausen nach dem Tod ihres Mannes Gottfried IV. († 1371) als Witwensitz. Gottfried hatte die Grafschaft Arnsberg bereits 1368 an das Erzbistum Köln verkauft.
Um 1500 wurde Wildshausen als Lehen an Johannes von Padberg vergeben und 1501 offiziell zum Rittersitz erhoben. Nach dem Ende der padbergischen Lehnsphase fiel Wildshausen 1572 an das Erzstift Köln zurück.
Für die abhängigen Bewohner bedeutete die Herrschaft der Padberger eine unruhige und oft kaum erträgliche Zeit. Die Familie war für ihre Ablehnung territorialer Oberherrschaft sowie für Fehden, Raubzüge und Plünderungen berüchtigt. Ein Blick ins 16. Jahrhundert zeigt, dass die Gewaltbereitschaft der Padberger auch in Wildshausen nicht nur die Bevölkerung, sondern sogar den eigenen Familienkreis traf.
Wildshausen im 16. Jahrhundert
Johann von Padberg, der erste adelige Herr in Wildshausen, vererbte seinem Sohn Rudger das Gut. 1537 ermordete Rudger seine Ehefrau Margarethe, Tochter des Johann von Schorlemer zu Kallenhardt. Die Familie Schorlemer gehörte zum westfälischen Uradel und zählte im 16. Jahrhundert zu den einflussreichsten Adelsfamilien im Herzogtum Westfalen.
Margarethes Vater nutzte seine politische und finanzielle Macht sowie seine weitreichenden Verbindungen, um den Padbergs das Lehen Wildshausen zu entziehen. Er wollte es für die junge Tochter der ermordeten Margarethe sichern. Das Mädchen starb jedoch kurz darauf, womit die Linie erlosch. Eine weitere Tochter Johann von Schorlemers heiratete 1538 Stephan Schade.
Für den überführten Mörder Rudger von Padberg folgten der Entzug des Lehens und langwierige erbrechtliche Prozesse. Über die Hintergründe des Mordes schweigen die Quellen. Die Forschung vermutet, dass der familiäre Kontext eine Rolle spielte: Wildshausen war ein junger Rittersitz, die Familie Padberg stark verzweigt und von inneren Spannungen geprägt. Das Gewaltpotenzial der Padbergs war insgesamt hoch.
Dies zeigt auch ein weiterer Fall: 1569 erstach Rudgers Neffe, Rudger Schade, seinen eigenen Bruder Anton im Streit um das Erbe in Wildshausen.
Selbst wenn man berücksichtigt, dass körperliche Auseinandersetzungen im 16. Jahrhundert gesellschaftlich akzeptiert und rechtlich geregelt waren – etwa Fehden, Gottesurteile, Hauszucht oder gerichtliche Strafen –, blieb ein innerfamiliärer Mord in Adelskreisen nicht folgenlos. Wildshausen liefert dafür ein eindrucksvolles Beispiel.
Weiterführende Literatur:
W. Tobien: Denkwürdigkeiten aus der Vergangenheit Westfalen’s, Bd. 1, S. 82 ff., Volkmann, Elberfeld, 1869
Hofsattlerei Cosack – Rittergut Wildshausen http://www.hofsattlerei-cosack.de/rittergut.html
700 Jahre Wildshausen_Endformat.pdf
Bild oben: KI-generiert by Microsoft Copilot

