Die Kleidung der Landfrauen
Der Alltag der Frauen auf dem Land war geprägt von schlichten Kleidungsstücken. Die Alltagsunterröcke fertigten die Landfrauen meist selbst aus schwarz gefärbter, handgesponnener Wolle der eigenen Schafe. Durch das Verweben mit Leinfäden entstanden gestreifte Röcke, die man „Wenneken“ nannte. Ältere Frauen trugen diese Röcke vielerorts auch sonntags, ergänzt durch einen „Spänzer“, eine blusenartige Oberbekleidung mit einer unten angesetzten „Lobbe“.

Im „Westfälischen Trachtenbuch“ vermutete Joostes, dass der Wenneken ein Rock der Bauern und einfachen Leute gewesen sei. Im Sauerland bezeichnete man jedoch ausschließlich die selbstgewebten Unterröcke so. Ähnliche Kleidungsstücke werden auch in Grimmes Werk „Grain Tuig“ erwähnt. Besonders charakteristisch waren die sonntäglichen roten Unterröcke aus reiner Wolle, die im oberen Sauerland, etwa in Homrighausen bei Berleburg, gewebt wurden. Die Oberkleider bestanden oft aus einem Stück und zeigten großflächige, farbenprächtige Blumenmuster.

Kopfbedeckungen
Die Kopfbedeckungen der Frauen blieben insgesamt schlicht und waren weniger prunkvoll als in anderen Regionen. Im Sommer trug man weiße, feine Netzmützen, die auch bei Erstkommunionen anstelle eines Blumenkranzes üblich waren. Im Winter wurden sie durch schwarze Netzmützen mit Krausen oder durch Wollmützen ersetzt. Viele Frauen ergänzten ihre Kleidung mit schwarzen, seidigen oder grau gestreiften Umschlagtüchern, deren Zipfel vorne und hinten herabhingen.

An Sonn- und Feiertagen trugen die Frauen vielfach weiße Hauben, die Mädchen gingen barhäuptig oder mit kleinen, bebänderten Mützchen. In entlegenen Gegenden legten Frauen und Jungfrauen beim Kirchgang schwarze Tücher, sogenannte Falgen oder Regentücher, über den Kopf – ganz im Stil einer spanischen Mantille –, „was den jungen Burschen das neugierige Gaffen nahezu unmöglich machte“. Joostes bemerkte dazu treffend, dass die Falge im katholischen Sauerland lange Zeit allgemeine Kirchentracht geblieben sei. Sie war praktisch, da sie den Frauen den Gang außer Haus erlaubte, ohne sich besonders herrichten zu müssen – was, so spottete er, nach Meinung mancher Männer dazu geführt habe, dass diese „Toilette“ mitunter den ganzen Tag unterblieb.

Mäntel und Schirme
Bevor Mäntel verbreitet waren, behalf man sich im Winter mit schwarzen Kleidern aus festem, grobem Stoff, sogenanntem Wandstoff. Auf schlammigen Wegen wurde der obere Rock hochgehoben oder geschürzt, bei Regen mangels Schirm sogar über den Kopf geschlagen. Diese improvisierte Schutzmaßnahme lebt bis heute im scherzhaften Ausdruck ‚Friggeder Schirm‘ fort, dem sogenannten Bödefelder Regenschirm. Regenschirme waren insgesamt selten. Stattdessen bedeckte man beim Kirchgang oder bei Ausflügen den Kopf mit großen, wollenen Tüchern.

Auch die Brauttracht zeigte nur wenig Eigenständigkeit: Die Braut trug ein schwarzes Kleid, darüber ein großes seidenes Schultertuch sowie eine weiße Tüllmütze aus Brabanter Spitze. Als Schmuck dienten vergoldete Kreuzchen an Ketten und – damals wie heute beliebt – Ohrringe.

Quellen:
„Trutznachtigall“ Heft 1/1924
Friedrich Wilhelm Grimme: Das Sauerland und seine Bewohner
Franz Joostes: Westfälisches Trachtenbuch

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