Mehr als nur eine Zahl
Die Meilensteine waren für Post, Militär und Warenverkehr unverzichtbar. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe bezeichnet sie treffend als historische Verkehrszeichen. Viele Steine wurden später versetzt, manche Adler gingen verloren oder wurden ersetzt. Mit dem metrischen System und moderner Beschilderung verlor das alte Meilensystem seine Funktion – die Straße aber blieb.
Wer heute über die B 55 fährt, bewegt sich noch immer auf Abschnitten jener Fernverbindung, an der schon vor rund zweihundert Jahren die Meilensteine standen. Die meisten Autofahrer bemerken sie kaum. Doch drei Worte und eine Zahl genügen, um die Perspektive zu ändern: MINDEN 19 M. Plötzlich wird aus der B 55 wieder eine Chaussee, aus Kilometern werden Meilen – und aus einer Fahrt nach Minden eine Reise.
Meilensteine gab es schon vor dem Bau der großen Chausseen. Zunächst dienten Entfernungsmarkierungen vor allem der Post, die damit Beförderungszeiten und Gebühren berechnete. Anfangs standen an den Poststraßen teilweise hölzerne Meilenzeiger, später auch steinerne Postmeilensteine.
Mit dem Ausbau der preußischen Kunststraßen entstand ab 1814 ein neues, einheitlicheres System: die Chausseemeilensteine. Zu ihnen gehören auch die großen Obelisken an der Minden-Koblenzer Chaussee im Sauerland. Die Post nutzte diese Entfernungsangaben weiterhin – die Steine dienten nun aber allen Reisenden auf der neuen Straße.
Quellen:
LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen: „Spuren am Straßenrand – Preußische Meilensteine sind Denkmal des Monats“, 2024.
Forschungsgruppe Meilensteine e. V
Stephan Teutenberg: „Meilensteine an der B 55“
LWL / Westfälisches Archivamt: Beitrag zur Straßenbaugeschichte im Sauerland, Archivpflege in Westfalen und Lippe, Heft 36, 1992.

