Schimpfwörter im Sauerland

Kalberköppe und Co.

Kalberköppe und Co.

Mittelalter

Mit dem Zusammenbruch der antiken Demokratien verschwand die klassische Debattenkultur. Das feudale System des Mittelalters beruhte auf Erbfolge und christlicher Moral. Nicht mehr staatliche Bürgertugenden, sondern das persönliche Seelenheil stand im Mittelpunkt. Zu den größten Sünden zählten sexuelle Verfehlungen, religiöse Verstöße und Missachtung der Ordnungsgesetze. Angriffe auf die Ehre galten als existenzielle Bedrohung.

Das Schimpfen wurde nun zum Werkzeug sozialer Kontrolle: Bezeichnungen wie Schuft oder Scheusal konnten zu Gerichtsverfahren führen, die mit Pranger, Stadtverweis oder anderen Strafen endeten.

Das Sauerland, traditionell katholisch geprägt, zeigt eine besondere Form des Schimpfens: Die Schimpfwörter sind meist herzlich-rustikal, oft humorvoll und selten wirklich bösartig. Sie spiegeln den bodenständigen, direkten Charakter der Region wider.

Einige typische Beispiele:  

  • „Der Quaterkopp“ = ein Plappermaul,
  • „Der Kälberkopp“ = ein Sturkopf,
  • „Der Schnöggel“ = ein nerviger Zeitgenosse,
  • „Der Pannemann“ = ein Pechvogel,
  • „Der Heiopei“ = ein Aufschneider und
  • „Häckmäck“ =  dummes Gerede, Unfug.

Diese Wörter zeigen, dass im Sauerland selbst das Schimpfen oft mit einem Augenzwinkern geschieht – herzhaft, aber nie verletzend.

Quellen:
Martin Jehne: „Hate Speech im alten Rom“ (Schweizer Monat)
Blog der Universität Halle: Historische Schimpfwörterbücher
Mittelalter-Lexikon.de
Rolf Bergmann / Stefanie Stricker: Schimpfwörter im Deutschen – Geschichte und Gebrauch

LWL – Sprachgeschichte Westfalens

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