Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Als Joseph Schnier im Jahr 1795 starb, vermerkte das Kloster in seiner Akte nur zwei Worte: „vor Erschöpfung“. Der erst 35-jährige Priester hatte bis zuletzt eine außergewöhnliche Aufgabe erfüllt. Er war nicht nur Geistlicher, sondern leitete als Eisenhütteninspektor einen der bedeutendsten Wirtschaftsbetriebe des Klosters Bredelar.
Als Schnier aus Blüggelscheidt bei Remblinghausen im Jahr 1790 das Amt des Eisenhütteninspektors übernahm, stand er an der Spitze eines technisch anspruchsvollen und wirtschaftlich wichtigen Unternehmens. Zu seinen Aufgaben gehörten die Aufsicht über die Eisenverarbeitung, die Organisation des Rohstoffbezugs, die Überwachung der Produktion sowie die wirtschaftliche Verwaltung der Hüttenwerke.
Das Vertrauen des Klosters in seine Fähigkeiten war groß. Bereits zwei Jahre später, 1792, wurde Schnier zusätzlich zum Kellerer ernannt und übernahm damit die zentrale Finanz- und Vermögensverwaltung des gesamten Klosters. Damit vereinte er zwei Schlüsselpositionen in einer Person.
Die Eisenhütte des Klosters Bredelar
Das Kloster Bredelar verfügte seit dem Mittelalter über umfangreiche Besitzungen. Neben der Landwirtschaft entwickelte sich bereits im 16. Jahrhundert die Eisenverarbeitung zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Hütten- und Hammerwerke sind seit dieser Zeit urkundlich belegt.
Als Eisenhütteninspektor trug Joseph Schnier die Verantwortung für die Eisenwerke des Klosters. Das Erz stammte unter anderem aus den Gruben am Enkenberg im Hoppecketal. Die Bedeutung dieser Anlagen zeigt ein Blick in das 17. Jahrhundert: Im Jahr 1650 waren die Eisenhütten rund 46 Wochen in Betrieb. Das Kloster verkaufte große Mengen Roheisen und belieferte unter anderem das Kloster Corvey. Über die Weser gelangten Eisenprodukte sogar bis nach Bremen, wo sich das Kloster mehrfach gegen hohe Zölle zur Wehr setzen musste.
Wirtschaftliche Herausforderungen
Als Schnier die Eisenwerke leitete, befand sich der Betrieb noch in einer wirtschaftlich stabilen Phase. Erst wenige Jahre nach seinem Tod verschärften sich die Probleme erheblich.
Der enorme Bedarf an Brennholz und Holzkohle konnte aus den klostereigenen Waldungen nicht mehr gedeckt werden. Brennstoffe mussten nun von den Grafen von Westphalen in Helminghausen sowie vom Kloster Dalheim zugekauft werden. Die Hütte und die Hammerwerke konnten deshalb bereits seit zwei Jahren nur noch eingeschränkt betrieben werden.
Obwohl ein Vorrat an Eisenstein im Wert von mehr als 1.000 Reichstalern vorhanden war, fehlte der notwendige Brennstoff für eine vollständige Produktion. Der wirtschaftliche Niedergang setzte somit erst nach Schniers Amtszeit ein.
Zur Person Joseph Schnier
Nach den Personallisten des Klosters wurde Joseph Schnier am 3. Dezember 1759 auf einem der sieben alten Höfe in Blüggelscheidt geboren, die bereits im Schatzungsregister von 1543 erwähnt werden.
Als nachgeborenem Sohn eines Bauernhofes stand ihm die Hofnachfolge vermutlich nicht offen. Ob er aus eigenem Entschluss oder auf Wunsch seiner Familie in das Kloster eintrat, ist nicht überliefert.
Mit zwanzig Jahren legte er die Profess ab. Zwei Jahre später wurde er zum Subkustos bestellt, weitere zwei Jahre danach empfing er die Priesterweihe. Seine Laufbahn zeigt, dass ihm schon früh großes Vertrauen entgegengebracht wurde.
Der hohe Arbeitseinsatz forderte jedoch seinen Tribut. Am 10. September 1795 starb Joseph Schnier im Alter von nur 35 Jahren. Das Kloster hielt als Todesursache lediglich die knappe Bemerkung fest: „vor Erschöpfung“.
Seinen frühen Tod erlebte das Kloster noch in einer wirtschaftlich vergleichsweise stabilen Zeit. Wenige Jahre später führten Rohstoffmangel und die politischen Umwälzungen der Säkularisation zum Ende der jahrhundertealten Klosterwirtschaft. Im Jahr 1804 wurde das Kloster Bredelar aufgehoben – nur neun Jahre nach Schniers Tod.
Quellen:
„Joseph Schnier“ (GSN: 070-02148-001), in: Germania Sacra, https://personendatenbank.germania-sacra.de/index/gsn/070-02148-001 (abgerufen am 22.07.2026).
Die Bevölkerung des kurkölnischen Sauerlandes im Jahre 1543 (Schatzungsregister 1543)
Kloster Bredelar im 18. Jahrhundert
Die Eisenproduktion gehörte neben der Landwirtschaft zu den wichtigsten Einnahmequellen des Klosters. Dazu hatte es: umfangreicher Grundbesitz im Herzogtum Westfalen, etwa 865 Morgen selbst bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzflächen, mehr als 4.300 Morgen Waldungen zur Gewinnung von Brennholz und Holzkohle, Mühlen sowie Einkünfte aus Pacht-, Zehnt- und Rentzahlungen

