Hochzeitsbräuche
Die Hochzeitsbräuche im Sauerland spiegeln eine Mischung aus tief verwurzelter ländlicher Tradition wider und variierten regional. Einer der ältesten Bräuche ist der Polterabend, der bis in frühchristliche Zeit zurückreicht. Durch das Zerbrechen von Steingut und Porzellan sollten böse Geister vertrieben werden. Glas war tabu, da Glasscherben und zerbrochene Spiegel als Unglücksboten galten.
Zu den verbreiteten Bräuchen gehörten außerdem Junggesellenabschied, Kranzwickeln, Traukerze, Spalierstehen, Brautentführung und zahlreiche lokale Besonderheiten. Besonders beliebt war jedoch das Böllern, das seit dem 14./15. Jahrhundert belegt ist. Das laute Knallen sollte Dämonen, Hexen und böse Geister fernhalten. Ursprünglich nutzte man einfache Handfeuerwaffen; ab dem 19. Jahrhundert übernahmen die Schützenbruderschaften das Böllern.
Der Brauch war allerdings nicht ungefährlich: In Medebach brannten 1844 nach einer missglückten Hochzeitsböllerei 139 Häuser ab, 700 Menschen wurden obdachlos.
Die preußischen Behörden erließen strikte Brandschutzauflagen bis zum Verbot des Schießens in der Nähe von Wohngebäuden. Auch die Kirche wehrte sich und untersagte das Böllern im Umfeld der Kirche, während des Hochzeitszuges und der Messe.
Diese Verbote wurden oft einfallsreich umgangen oder ignoriert.
Abwehrmaßnahmen gegen Hochzeitsfeststörer
Ungeladene Gäste wurden im 19. Jahrhundert Gaffer, Kiebitze oder Beisitzer genannt. Um sie fernzuhalten, überbrachte der Hochzeitsbitter die Einladungen persönlich. Nur wer eine solche Einladung erhielt, durfte teilnehmen. Dennoch erschienen häufig Zaungäste, die der Brautvater mit Getränken und Essensresten zu besänftigen versuchte. Gelang das nicht, kam es zu Störungen wie dem Raub der Hochzeitssuppe, dem Versperren von Ausgängen oder dem Abmontieren von Kutschenrädern.
Quellen:
https://www.planet-wissen.de/kultur/brauchtum/hochzeit/index.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Hochzeit

