Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Hallenberg ist mit weniger als 5.000 Einwohnern die kleinste Stadt Nordrhein‑Westfalens. Ihre Geschichte reicht weit zurück: Im 13. Jahrhundert gründete der Kölner Erzbischof hier eine Stadt, um die wichtige Heidenstraße1 sowie den Besitz um Medebach gegen Arnsberg, Hessen und Waldeck zu sichern. Die Nachrichtenübermittlung von und nach Hallenberg war aufgrund der unwegsamen Landschaft lange Zeit äußerst schwierig. Erst 1835 verkehrte die erste Postkutsche zwischen Hallenberg und Meschede. Sie fuhr zweimal wöchentlich und beförderte neben Post auch Personen. Witterungsbedingungen wie starker Schneefall führten häufig zu erheblichen Verzögerungen.
Der Alltag eines Postillions2
Ende des 19. Jahrhunderts erhielt Heinrich Winter, der Neffe des damaligen Posthalters in Hallenberg, eine Stelle als Postillion. Sein Monatslohn betrug 17,50 Mark. Dafür musste er bei jeder Witterung um drei Uhr morgens aufstehen, denn eine Stunde später hatte die Abfahrt pünktlich zu erfolgen. Bis zu fünf Mitreisende – einer davon auf dem Kutschbock – fuhren üblicherweise mit. In der Kutsche war das Rauchen untersagt.
Für Unterhaltung sorgte der Postillion selbst: Er spielte Posthorn‑Lieder, und nicht selten gehörte ein Doppelkorn dazu. Entscheidend war jedoch, dass es keine Verspätungen gab. Für den Fall, dass er doch einmal zu spät kam, hatte Heinrich Winter eine einfallsreiche Erklärung parat: Ein gut verstecktes, geflicktes Pferdegeschirr konnte jederzeit als „Beweisstück“ dienen und überzeugte jeden Posthalter.
1905 erhielt Heinrich Winter von der Kaiserlichen Reichspost die „Ehrenpeitsche mit silbernem Knopf – dem Postillion Heinrich Winter für Geschicklichkeit im Fahren…“ 3.
Zu seinem 40. Dienstjubiläum übermittelten ihm der Reichspostminister und der Präsident ihre Glückwünsche.
Ehre, wem Ehre gebührt
Heinrich Winter dürfte mit seiner beruflichen Laufbahn sehr zufrieden gewesen sein. Zeitgenössische Berichte beschreiben ihn als freundlichen, zugewandten und lebensfrohen Menschen.
Bild oben: ki-generiert by Microsoft Copilot
- Die Heidenstraße war im Mittelalter eine der wichtigsten Heer-, Handels- und Pilgerstraßen durch das Sauerland, die Köln mit Kassel und Leipzig verband. ↩︎
- Eine ausführliche Darstellung bietet: Peis, Walter: Die Postkutsche im Nuhnetal, in: Jahrbuch Hochsauerlandkreis 1994, S. 86 ff.. ↩︎
- Heute im Postmuseum Berlin zu besichtigen. ↩︎

