Förster und FrevlerPerspektiven

Es waren nicht nur die Förster, die der Landbevölkerung das Leben schwer machten: Damals wie heute beteiligten sich auch missgünstige Nachbarn an der Aufdeckung vermeintlicher Gesetzesverstöße. Die Förster wiederum, die strenge Anweisungen zu befolgen hatten, stießen oft an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Der königliche Oberförster Holzapfel formulierte es drastisch: „Die verfluchten Bauern, ich wollte, daß sie der Teufel hole.“

Auch die 1880 aufgezeichnete Tat des Schusters Christof Kuhlmann aus Rehsiepen, der seine Wäsche auf der Dienstwiese gebleicht hatte, dürfte der Förster als persönlichen Affront verstanden haben.

Auf der anderen Seite stand die Landbevölkerung – Ackerwirte, Beilieger, Hausierer, Holzhausarbeiter –, also die arbeitenden Menschen, die um ihre Existenz fürchteten. Aus Not und aus Gewohnheit nutzten sie die natürlichen Ressourcen weiterhin so, wie sie es seit Generationen getan hatten und als ihr Recht empfanden.

Die Forst-Rügenbücher sind eine seltene Quelle zur Verdeutlichung dieser unterschiedlichen Perspektiven und zum Verständnis des damaligen Alltagslebens.

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