Der Weg in die Eigenständigkeit
Von besonderer Bedeutung für die Geschichte Esshoffs ist die im Jahr 1810 beurkundete Loskaufung der Einwohner des Ortes vom Kolonatnexus[4] gegenüber dem adeligen Haus Antfeld. Mit dem Kolonatnexus ist rechtliche Bindung eines Bauern (Kolonen) an seinen Grundherrn. Ein Kolone war kein Leibeigener, aber auch kein völlig freier Bauer. Er bewirtschaftete einen Hof, der ihm häufig erblich zustand, der rechtlich aber dem Grundherrn gehörte. Dafür musste er verschiedene Leistungen erbringen, beispielsweise:
In der Urkunde heißt es: „Die Loskaufung der Einwohner zu Eshoff und Grimmlinghausen von dem Kolonatnexus und die Verwandlung ihrer dem adligen Hause Antfeld zu leistenden ungemessenen Dienste in gemessene.“ Die Einwohner lösten sich damit aus ihrer bisherigen grundherrlichen Bindung und erreichten zugleich die Umwandlung ihrer bislang ungemessenen Frondienste in genau festgelegte Leistungen. Dies bedeutete einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu größerer wirtschaftlicher Selbstständigkeit.
Die Verbindung zu Antfeld zeigt sich auch auf einer Katasterkarte der „Gemeinde Esßhof“ aus dem Jahr 1838. Der dort eingezeichnete „öffentliche Weg nach Antfeld“ – die heutige Esshofer Straße – verbindet beide Orte unmittelbar miteinander.
Die Karte dokumentiert den kleinen, aber bereits eigenständigen Siedlungskern des Ortes. Esshoff bestand zu dieser Zeit aus einer kleinen Hofschaft mit etwa zehn bis vierzehn Gebäuden. Auffällig ist die entlang der Wege konzentrierte Bebauung. Ebenso gut zu erkennen sind die Aufteilung der Fluren und die zahlreichen Einzelparzellen verschiedener Besitzer. Dieses Bild passt erstaunlich gut zu der Urkunde von 1810 über die Loskaufung der Einwohner.
Dabei muss kein Widerspruch zur ersten Erwähnung als einzelner Hof bestehen. Im Gegenteil: Ein größerer Hof des 15. Jahrhunderts konnte sich im Laufe von nahezu 400 Jahren durch Erbteilungen und die Aufteilung des Besitzes durchaus zu einer kleinen Hofschaft entwickeln.
Vom Hof zur Hofschaft
Auch die Entwicklung des Ortsnamens erzählt ein Stück der Geschichte Esshoffs: Essinghusen – Essenkusen – Esinghausen – Eshoff – Esshoff- Ein solcher Sprachwandel ist keineswegs ungewöhnlich. Besonders der Übergang von -husen beziehungsweise -hausen zu -hoff erscheint durchaus denkbar, wenn der Ort über lange Zeit im Bewusstsein der Menschen vor allem als ein einzelner oder dominierender Hof wahrgenommen wurde. Der Ortsname ist wohl mit ‘bei den Häusern der Leute des Asic/Esic’ zu umschreiben.
Ob der im Jahr 1442 genannte „Hof zu Essenkusen“ tatsächlich mit dem heutigen Esshoff identisch ist, lässt sich bislang zwar nicht mit letzter Sicherheit beweisen. Die unmittelbare Nähe zu Altenbüren, die wirtschaftliche Bedeutung des Hofes, die späteren Nennungen von Esinghausen sowie die kontinuierliche Verbindung zum Haus Antfeld sprechen jedoch dafür, dass sich hinter den unterschiedlichen Namensformen ein und derselbe Ort verbirgt – das heutige Esshoff.
Und so finden Sie Esshoff:
Quellen:
Die Wüstungen des Hoch- und Ostsauerlandes (BAW. Bd. 53)
WOB 6 Die Ortsnamen des Hochsauerlandkreises.pdf
Archive NRW
Originaltext der Urkunde von 1443
Priester Johannes Stenhoff überträgt eine Hufe Land, Freigut zu Altenbüren (Dorpburen), die ihm Johan Grunder und dessen Ehefrau Gerdrut mit Zustimmung des Freigrafen (vrygreven) Henrik Kerstian zur Leibzucht verschrieben hatten, nach seinem Tod an Johann und Gertrud zurück. Ferner soll eine Verschreibung von Johann Grunder über 1 Malter Kornrente aus dem Hof zu Essenkusen nach seinem Tod hinfällig sein.
[1] Ein Malter = 120 bis 200 kg Getreide
[2] Freigraf Heinrich (Henrich) Kerstian dürfte seinen Sitz in Assinghausen gehabt haben. 1424 wird er ausdrücklich als „Freigraf Heinrich Kerstian von Assinghausen und Norderna“ bezeichnet. Es spricht viel dafür, dass es sich um dieselbe Person handelt, die 1442 das o.g. Rechtsgeschäft besiegelte
[3] Schinder = Abdecker, also zuständig für die Entsorgung toter Tiere

