Text: Christel Zidi

Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Wenn man sich Brilon im 18. Jahrhundert vorstellt, darf man sich nicht von der heutigen Ruhe der Straßen täuschen lassen. Damals war es keine Seltenheit, dass eine ganze Karawane grauer Esel durch die Gassen zog, beladen mit schweren Mehlsäcken, angetrieben von Mühlenknechten und begleitet von den Kindern der Müller. Ihr Schreien und Schnauben hallte zwischen den Fachwerkhäusern wider – für die Briloner war das ein alltägliches Bild.

In Brilon gibt es drei parallel verlaufende Straßen, die alle mit den grauen Vierbeinern in Zusammenhang gebracht werden können. Da ist zunächst die Altenbürener Straße, die zu den Mühlen führte, der Eselskamp, auf dem die Tiere weideten, und der Nachtigallenweg, der allerdings nicht an den wundervollen Gesang der kleinen grauen Singvögel erinnert, sondern an die laute Kakophonie der „Briloner Nachtigallen“, also der Esel, die auf der angrenzenden Grasfläche weideten. Nur wenige Straßen weiter liegt zudem die Straße Eselsborn. Auch Huberta, das inoffizielle Symboltier der Stadt, erinnert an die Zeit der Esel.

Verschwundene Originale des Stadtbildes

Die lebhafte Gemeinschaft der Grautiere und ihrer Treiber ist längst aus Brilons Stadtbild verschwunden. Beide gehörten zu den unverwechselbaren Originalen ihrer Zeit, schrieb schon Dr. Balthasar Hüser, von 1881 bis 1909 Direktor des Gymnasiums Petrinum in Brilon und bedeutender Heimatforscher. Hüser bezeichnete die Esel und ihre Treiber als beliebte Zielscheiben des Straßenhumors, aber keineswegs wehrlos: „Die Esel antworteten mit ihren Hufen, die Treiber mit schlagfertigen Worten. Gemeinsam prägten sie das alltägliche Leben der Stadt und verliehen ihr eine besondere Atmosphäre“.

Und weiter schrieb er1: „Besonders sichtbar wurde ihre Bedeutung beim großen städtischen Fest, dem Schützenzug. Damals zogen weit über hundert festlich mit Blumen geschmückte Esel gemeinsam durch die Straßen. Begleitet vom Läuten der Glocken und dem Donner der Böllerschüsse erreichte der Zug den Marktplatz. Dort bewegten sich die Tiere dreimal in einem großen Kreis um den Marktbrunnen, während hoch über ihnen der ehrwürdige Stadtpatron von seiner Säule auf das Geschehen herabblickte.“

Auch wirtschaftlich waren die Esel unverzichtbar. Sie transportierten Brennholz aus den städtischen Wäldern in die Stadt, denn bis zum Bau der Ruhrbahn war Holz nahezu der einzige Brennstoff. Für den Transport wurden auf den Rücken der Esel hölzerne Traggestell befestigt. Das auf diese Weise in die Stadt gebrachte Brennholz nannte man „Eselholz“. So wie man heute von einer Fuhre Holz spricht, sprach man damals von einem „Eselholz“.

Die Mühlen
Im 18. Jahrhundert gab es rund um Brilon etwa 200 Esel. Wo Esel waren, gab es in der Regel auch Mühlen – und davon so einige. Im Aatal – die Aa ist ein etwa zehn Kilometer langer Fluss, der in Altenbüren entspringt und unterhalb von Wülfte in die Möhne mündet – lagen die Altenbürener, die Ober-, die Niedere, die Seeschulten-, die Brandrigen-, die Kleinschmidts-, die Michels- und die Scharfenberger Mühle. Im Hoppecketal dazu die Jickjackmühle und noch die Schlossmühle.

Die Jickjackmühle gehörte den Familien Kürmann bzw. Borghoff. Sie brannte 1956 nieder. Den – inoffiziellen – Namen erhielt sie, weil das Wasser zur Mühle auf ungewöhnliche Weise, in einem „Zickzack“-Verlauf, durch Kanäle und unter dem Bahndamm hindurchgeleitet wurde.

Die meisten Mühlen rund um Brilon waren Getreidemühlen. In einigen von ihnen wurde jedoch zusätzlich auch Öl gepresst.


Bild: ki-generiert by Openai Chat GPT

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