Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Gevelinghausen, ein Stadtteil von Olsberg mit knapp 600 Einwohnern, ist nicht nur in archäologischen Fachkreisen bestens bekannt: 1961 wurde beim Ausschachten einer Jauchegrube eine etwa 36 cm hohe Metallschale gefunden, die sich nach näherer Untersuchung durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Bronzeamphore aus dem 9. oder 8. Jahrhundert vor Christus herausstellte. In dieser Amphore konnten sterbliche Überreste einer männlichen Person nachgewiesen werden. Ursprünglich wurde das Gefäß vermutlich als Trinkgefäß oder Dekorationsobjekt genutzt und erst später als Urne eingesetzt.
Die Amphore wurde aus vier ausgeschmiedeten Bronzeplatten gefertigt und zeigt eine bemerkenswerte Ornamentik. Insgesamt rund 1500 einzelne gepunzte Verzierungen (= mit frühen Werkzeugen eingearbeitete Muster) bilden das religiöse Motiv der Vogel-Sonnen-Barke. Dabei handelt es sich um ein zentrales Symbol der europäischen Bronzezeit (Urnenfelderkultur), das die zyklische Reise der Sonne darstellt – ähnlich wie auf der Himmelsscheibe von Nebra.
Nach Einschätzung des LWL handelt es sich bei dieser handwerklich hervorragend gefertigten Amphore um das bedeutendste bronzezeitliche Fundstück, das jemals in Westfalen entdeckt wurde.
Wie kam die Amphore nach Gevelinghausen?
Rätselhaft bleibt, wie die Amphore nach Gevelinghausen gelangte – in eine Region, die in der Bronzezeit nur dünn besiedelt war. Befestigte Siedlungen gab es im Sauerland kaum, die Lebenserwartung war gering (30 bis 35, maximal 40 bis 50 Jahre), und die Kindersterblichkeit extrem hoch: Rund die Hälfte aller Kinder erreichte das Erwachsenenalter nicht.
Foto oben: Luftbild Gevelinghausen / Michael Kramer, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

