Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Der Umgang mit dem Tod gehört zu den ältesten kulturellen Praktiken der Menschheit. Die frühesten nachweisbaren Erdbestattungen reichen rund 100.000 Jahre zurück. Brandbestattungen sind seit etwa 11.500 Jahren archäologisch belegt. Beide Formen existierten über lange Zeiträume nebeneinander, konnten aber regional oder religiös unterschiedlich bewertet oder sogar vorgeschrieben sein.
Für die Sachsen war die Feuerbestattung bis ins frühe Mittelalter hinein der dominierende Bestattungsbrauch. Mit der Christianisierung änderte sich dies grundlegend: Die Kirche verlangte die unverbrannte Körperbestattung, da die Vorstellung der leiblichen Auferstehung eine intakte körperliche Hülle voraussetzte.
Im Jahr 785 verbot Karl der Große in der Capitulatio de partibus Saxoniae die Feuerbestattung ausdrücklich. Damit verschwand die Brandbestattung in Mitteleuropa für mehr als ein Jahrtausend. Erst mit dem Bau des ersten modernen Krematoriums in Gotha (1878) wurde die Feuerbestattung wieder möglich. Heute liegt der Anteil der Einäscherungen in Deutschland bei etwa 80 %.
Sächsische Brandbestattung im Sauerland
Im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. sind bei den Sachsen sowohl Körper- als auch Brandbestattungen nachweisbar, wobei die Brandbestattung deutlich überwog. Erst mit der Christianisierung setzte sich die Erdbestattung endgültig durch. Eine sächsische Brandbestattung (vor 785) folgte einem festen heidnischen Ritual: Waschung und Einkleidung des Verstorbenen, Ausstattung mit persönlichen Gegenständen (Schmuck, Waffen, Keramik), mehrtägige Totenwache, Errichtung eines Scheiterhaufens aus lokal verfügbarem Hartholz und Weichholz, Verbrennung des Leichnams und der Beigaben, häufig einschließlich geschlachteter Tiere. Nach dem Erlöschen des Feuers wurden die Knochenreste aus der Brandstätte geborgen und in einer Urne gesammelt, die direkt in einem Brandgrab bestattet wurde. Die Grabstätte konnte durch Grabhügel oder andere bauliche Elemente gekennzeichnet werden (regional unterschiedlich).
Diese Rituale sind archäologisch gut belegt und entsprechen dem sächsischen Bestattungsbrauchtum im gesamten nordwestdeutschen Raum.
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