
Der Speicher
Der noch heute erhaltene Speicher ist eines der bemerkenswertesten Gebäude des Hofes. Das Erdgeschoss aus Bruchstein wurde in den Hang gebaut; darüber erhebt sich ein etwa zehn mal zehn Meter großes Fachwerkobergeschoss mit zweifacher Vorkragung und reich beschnitztem Schaugiebel.
Um die christliche Verwurzelung des Erbauers zu dokumentieren, wurden am Speicher die Inschriften mit religiösen Sinnsprüchen und Psalmen eingeschnitzt. Bemerkenswert ist auch Inschrift an der Schwelle auf der Gartenseite. Diese lautet:
„ALLE DIE FVRÜBER GEHEN VNDT MICH KENNEN
DEN GEB GOTT WAS SI MIR GÖNNEN.“
Es lohnt sich, auf die Schnitzereien noch mindestens einen zweiten Blick zu werfen: Einige Hölzer sind mit barocker Flachschnitzerei dekoriert, die an die Ornamentik der Spätrenaissance erinnert und als Lebensbaum gedeutet werden kann. Zwischen Ranken und Mustern findet man Fabel- oder Mischwesen, die an Drachen, Schlangen und fischähnliche Wesen erinnern. Der Heimatforscher Josef Georg Pollmann vermutet, dass diese Mischwesen aus Druckvorlagen des Soester Kupferstechers Heinrich Aldegrever (1502-1555) stammen: „Sein Werk war mehr als 200 Jahre ein „Steinbruch“ für nachfolgende Künstler. Seine Ornamentdrucke dienten vielfach als Vorlagen für Verzierungen an Häusern, die je nach Fantasie und Können des Künstlers oder Zimmermanns gestaltet wurden.“
Im religiösen Kontext könnten diese Mischwesen als Sinnbild für das durch die Auferstehung Jesu besiegte Böse gedeutet werden. Im Mittelalter war zudem der Volksglaube verbreitet, dass sich Gleiches mit Gleichem abwehren lasse – beziehungsweise, dass die Darstellung des Bösen dazu beitragen könne, das Böse zu bannen oder zu überwinden.
Die für das Sauerland ungewöhnliche Bau- und Schmuckform des Speichers am Fresenhof lässt sich vermutlich durch den jahrhundertelangen Einfluss der Grafen von Waldeck erklären, der bis in den Raum Assinghausen reichte. Typische Motive wie Mischwesen, Neidköpfe, Schreckmasken und Drachendarstellungen sind im waldeckischen Gebiet und auch in Niedersfeld häufiger anzutreffen.
Claudia Pape berichtet auch, dass ältere Einwohner, die im vorigen Jahrhundert die kleine Dorfschule besuchten, sich noch daran erinnern, dass sie im Unterricht von Lehrer Frese (der selbst aus Fresen stammte) und Lehrer Holtkotte die Inschriften auswendig lernen mussten.
Hauslandschaften
Volkskundler, Haus- und Bauforscher Wilhelm Schepers teilte das Sauerland
in verschiedene Regionen beziehungsweise Hauslandschaften ein:
Kurkölnisch geprägter Südwesten des Sauerlandes
mit stärker betonten Giebeln und
größeren, auffälligeren Schmuckmotive
Paderbornisch geprägter Nordosten
ausgewogenere Giebelkomposition und
eher kleinteiliger Hausschmuck
Quellen:
Jahrbuch des Hochsauerlandkreises 2004, Aufsatz Josef Georg Pollmann
Festschrift zu 250 Jahre Fresenhof

