Abgaben und Herrschaftsrechte
Die kurfürstliche Regierung in Arnsberg erhielt über den Vogt in Brabecke die Landessteuer. Auch die Kirche erhielt verschiedene Leistungen. Dem Pastor standen unter anderem Messhafer, ein Huhn, Eier, Käse und Brote zu. Der Küster erhielt Roggen, Eier, Käse und einen Anteil vom Schwein. Darüber hinaus waren auch an die Kirchenvorsteher Abgaben zu entrichten.
Auch das Stift Meschede bezog weiterhin bestimmte Leistungen. Hinzu kamen die Forderungen der Herren von Meschede. Nach der örtlichen Überlieferung verlangten sie Geld- und Naturalabgaben sowie verschiedene Dienste, darunter Pferdefuhren, Botengänge, Hilfe bei Jagd und Fischerei sowie mehrere Tage Mäharbeit.
Für die Bauern summierten sich diese Verpflichtungen erheblich.
Abgabenpflichtig – aber deshalb leibeigen?
Der eigentliche Konflikt ging jedoch über die Höhe der Abgaben hinaus. Die Herren von Meschede beanspruchten weitergehende Rechte über die Hofinhaber und behandelten sie zunehmend als leibeigen.
Ein Teil der Westernbödefelder widersetzte sich diesem Anspruch. Sie beriefen sich auf ältere, vom Stift Meschede bestätigte Freiheiten und bestanden darauf, dass Abgabenpflicht nicht mit persönlicher Unfreiheit gleichzusetzen sei.
Ein besonderer Fall war der Drostenhof. Während die übrigen vorgeladenen Hofinhaber dem Haupthof Köttinghausen zugeordnet waren, gehörte der Drostenhof weiterhin zum Fronhof Drasenbeck. Dennoch versuchten die Herren von Meschede offenbar, auch auf diesen Hof Zugriff zu gewinnen.

Wie der Brabecker „Schüttelpott“ tatsächlich aussah, ist nicht bekannt.
Sprachgeschichtlich ist aber interessant, dass das niederdeutsche Wort „schütteln“
im Zusammenhang mit Strafen und Erschütterung stehen kann
Bei dem Drosten dürfte es sich um Theodor Gierse gehandelt haben. Er wurde um 1643 in Westernbödefeld geboren und wird im Familienbuch ausdrücklich als „Hauserbe Droste zu Westernbödefeld“ bezeichnet. Sein älterer Bruder Jost Gierse hatte zuvor auf dem Drostenhof gesessen, diesen jedoch nach dem Erwerb eines Hofes in Gellinghausen an Theodor überlassen. Der Drostenhof gehörte zu den ältesten Hofstellen des Ortes. Bereits 1536 wird ein Hannß Droste genannt. Der Widerstand des Drosten in diesem Konflikt und seine Bestrafung am Schüttelpott blieben in der örtlichen Überlieferung erhalten.
Einen unmittelbaren Erfolg brachte der Widerstand jedoch offenbar nicht. Die adeligen Grundherren hielten an ihren Ansprüchen fest, und die Auseinandersetzungen um Rechte, Dienste und Abgaben zogen sich über Jahrzehnte hin. Noch im 18. Jahrhundert wurde darüber gestritten. Erst im Zuge der Reformen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts wurden persönliche Abhängigkeiten und grundherrliche Lasten schrittweise aufgehoben.
[1] Genannt werden: Jost Hovelmann, Henrich Kruse, Henrich Martins, Henrich Flemmeke, Jost Rickers, Jacob Peters, Henrich Cordes, Hans Wilmes, Hans Becker, Klagges auf dem Kampe, Plebs und Henrich Hermanns.
Quellen:
Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, A 114 / Stift Meschede / Akten, Nr. 86.
Westernbödefeld – Geschichte des Ortes
Franz-Karl Nieder, Familienbuch Bödefeld, nach Selman/Marx und Josef Lauber
Kirchenbuch Bödefeld, St. Cosmas und Damian

