Das Heiligenhäuschen am Rathaus
Es hat eine Höhe von etwa drei Metern und eine Breite von 1,20 Metern. Das schmucke Heiligenhäuschen fügt sich harmonisch in die Struktur der Fassade des Rathauses ein.

Die Inschrift lautet: „IN NOMINE JESU FLECTATUR OMNE GENU COELESTIUM TERRESTRIUM INFERNORUM“[4]. Die Giebelfüllung zeigt eine Strahlensonne. Als Jahreszahl ist 1688 angegeben. Auf der Vorderseite des Unterbaus wurde das Briloner Stadtwappen angebracht, jedoch erst deutlich später, nämlich 1742.
Foto: Tilman2007, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Die Seiten- und Vorderöffnung des Heiligenhäuschens ist mit Glasscheiben geschützt. Im Inneren der Nische steht ein Bildwerk aus Holz: die Madonna sitzend, auf dem linken Arm das Jesuskind, in der rechten Hand die Weltkugel tragend.
W. Peters, der 1928 einen Aufsatz über die Briloner Heiligenhäuschen schrieb, bezeichnete es ausdrücklich als „schönes barockes Bildwerk“. Der Autor, der über ein umfangreiches Wissen in Sachen Architektur verfügte, konnte durchaus auch kritisch sein. So merkte er an, dass Heiligenhäuschen eigentlich für passende Figuren geschaffen wurden: „Aber nur wenige weisen noch solche auf, die wirklich zu dem kräftigen, gedrungenen Bau passen. Die übrigen stehen teilweise leer oder bergen irgendeine Gipsfigur, die man lieber gar nicht sehen möchte.“
Außerdem beklagte er den schlechten Zustand vieler Heiligenhäuschen und gab einen praktischen Hinweis: „Man braucht die Steine nur etwas von dem Moosüberzug zu reinigen und sie mit einer Ölfarbe zu überziehen, die vor weiterer Verwitterung schützen würde.“ Wer diesen Rat heute beherzigen möchte, sollte zuvor unbedingt den zuständigen Denkmalpfleger konsultieren.“
Ein Heiligenhäuschen ist ein kleines freistehendes Andachtsgebäude, während ein Bildstock ein Pfeiler- oder Säulenbild ist, wie man es oft an Prozessionswegen findet.
Quelle: Sauerländer Heimatbund, Zeitschrift Heimwacht, Jahrgang 1928. Aufsatz von W. Peters.
[1] Pilaster = flacher, rechteckiger Wandpfeiler. Der optisch einer Säule ähnelt aber nur leicht aus der Wandfläche hervortritt.
[2] W. Peters las die Jahreszahl 1671, später wurde sie als 1677 gedeutet.
[3] „Gekreuzigter Jesus, erbarme dich unser.“
[4] „Im Namen Jesu beuge sich jedes Knie – im Himmel, auf der Erde und unter der Erde.“
(Anmerkung: Die Übersetzungen sind frei wiedergegeben; Hinweise oder Korrekturvorschläge nehmen wir gerne entgegen)

