Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Die Bedeutung von Bier im Sauerland vor 1800

Wer heute täglich große Mengen Bier trinkt, stößt gesellschaftlich auf Ablehnung und gilt schnell als alkoholgefährdet. Umso erstaunlicher wirkt es, dass vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert Bier – genauer: Dünnbier – ein Grundnahrungsmittel war, auch für Kinder. Dünnbier besaß lediglich 1–3 Vol.-% Alkohol (heutiges Bier meist 4,5–6 Vol.-%). Es war weitgehend keimfrei und lieferte zusätzliche Kalorien, die in Zeiten knapper Ernährung wichtig waren. Angesichts der schlechten Wasserqualität war Dünnbier eine rationale und verantwortungsvolle Entscheidung.

Kurze Biergeschichte

Die Etymologie des Wortes Bier ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es könnte sich von einer indogermanischen Wurzel für „brauen“ oder von einem spätlateinischen Begriff für „Trank“ ableiten. Im Mittelalter wurden die Begriffe Öl oder Ale verwendet; Bier setzte sich erst im Spätmittelalter durch.

Bier wurde bereits vor etwa 10.000 Jahren gebraut und ist damit älter als Wein (ca. 8.000 Jahre). Mit der Sesshaftwerdung begannen Menschen, Getreide zu sammeln und stellten fest, dass feuchter Getreidebrei spontan gärt.

In Deutschland ist Bier seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar, wie Funde aus Kulmbach und Hornstaad (Bodensee) belegen. Ursprünglich war das Bierbrauen Aufgabe der Frauen.

Die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098–1179) empfahl Bier als gesundheitsfördernd: „Cervisiam bibat“ („Man trinke Bier“). Klosterbrauereien – Männer- wie Frauenklöster – spielten eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Bierbrauens.

1516 erließ Herzog Wilhelm IV. von Bayern das Reinheitsgebot, das später um die Zutat Hefe ergänzt wurde.

Die Gefahren des Alkohols wurden erst im 19. Jahrhundert systematisch erkannt. Abstinenzbewegungen in Europa und den USA warnten vor der Suchtgefahr. Heute gilt Alkohol als die am weitesten verbreitete legale Droge; in Deutschland sind rund 3,9 Millionen Menschen betroffen.

Der gemeinsame Dorfbraukessel von Olsberg

Das Dorfbuch von Olsberg belegt für das Jahr 1655 den Kauf eines neuen gemeinsamen Dorfbraukessels für 26 Reichstaler. Der Kessel wurde an einen Dorfbewohner verpachtet, mit der Auflage, dass jeder Olsberger Bürger ihn gegen Gebühr nutzen durfte. Die Gemeinde erzielte damit erhebliche Einnahmen aus der Brausteuer – die laut Chronik jedoch gelegentlich umgangen wurde.

Vermutlich stand der Kessel zunächst beim Gasthof Schulte/Schüppen, was jedoch nicht eindeutig belegt ist. Nach Aussagen der letzten Inhaber soll dies die älteste Braustätte des Ortes gewesen sein. Für 1657 ist dokumentiert, dass Johann Hester, Gastwirt der Schult/Schüppen, die Kesselgebühr im Voraus entrichtete. Die Gaststätte entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen Zentrum des Dorfes, bis ein Brand 2014 den Abriss im Jahr 2016 notwendig machte.

Bis heute hält sich im Sauerland der Spruch, ein Bier in Gesellschaft sei „so unverzichtbar wie das Salz in der Suppe“. Darin spiegelt sich sowohl die historische Bedeutung des Bieres als Nahrung als auch der Gedanke des maßvollen Genusses.

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