Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Bereits seit dem 16. Jahrhundert wurde in der Herrschaft Canstein Bergbau betrieben. Zur Herrschaft zählten dabei die Orte Canstein, Leitmar, Borntosten, Giershagen, Marsberg und auch Waldeck, das zwar eine eigenständige Grafschaft war, aber zeitweise eng mit Canstein verbunden war. Der Bergbau in Canstein war weniger Ausdruck frühindustrieller Entwicklung als vielmehr Bestandteil einer adeligen Gutswirtschaft.
Zu den bergbaulichen Aktivitäten zählte der Abbau von Eisenstein, der jedoch nur in kleinem Maßstab betrieben wurde. Erst ab den 1670er Jahren entstanden eigenständige Bergwerksbetriebe mit mehreren beteiligten Gewerken. Diese frühen Unternehmungen blieben jedoch begrenzt, waren von Konflikten begleitet und wirtschaftlich unsicher. Zeitweilige Goldfunde weckten zwar das Interesse des kurkölnischen Kurfürsten und nährten Hoffnungen auf größere Erträge, führten jedoch nicht zu einem dauerhaften oder intensiven Abbau.
Eine neue Phase setzte im Jahr 1706 ein, als Carl Hildebrand von Canstein den Bergbau neu organisierte und systematisch auf den Kupfererzabbau ausrichtete. Sein Engagement ging weit über frühere Versuche hinaus, war jedoch von erheblichen Spannungen begleitet. Als pietistisch* geprägter Gutsherr agierte er in einem überwiegend katholischen Umfeld, was soziale, rechtliche und konfessionelle Konflikte nach sich zog. Trotz vergleichsweise moderner organisatorischer Strukturen blieb der wirtschaftliche Erfolg begrenzt. Der Bergbau war eng in die gutsherrliche Gesamtwirtschaft eingebunden und diente vermutlich auch der Finanzierung ideeller Vorhaben wie der Cansteiner Bibelanstalt. Im Jahr 1715 stellte Carl Hildebrand den Kupferbergbau schließlich ein.
Unter seinem Vetter Philipp Raban von Canstein erlebte der Bergbau in der Herrschaft Canstein seine größte räumliche Ausdehnung. Zwischen etwa 1715 und 1754 ließ er zahlreiche Kupfer-, Eisen- und Bleierzfelder muten*, nicht nur in Canstein selbst, sondern auch in Leitmar, Borntosten, Giershagen, Marsberg sowie im benachbarten Waldeck. Zeitweise waren bis zu 16 Gruben gleichzeitig in Betrieb, in denen mindestens 73 Bergleute nachweisbar beschäftigt waren. Um die Abhängigkeit von externen Verarbeitern zu verringern, ließ Philipp Raban zudem eine eigene Kupferschmelzhütte sowie mehrere Erzwäschen errichten.
Trotz dieser Expansion blieb der wirtschaftliche Erfolg aus. Der Betrieb war von wiederkehrenden Wassereinbrüchen, kurzen Abbauphasen und hohen Zubußen geprägt. Absatzschwierigkeiten und die Konkurrenz durch günstigeres Importkupfer verschärften die Lage zusätzlich. Philipp Rabans Unternehmensstil blieb stark gutsherrlich geprägt: Eine klare Trennung zwischen privaten, landwirtschaftlichen und bergbaulichen Finanzen bestand nicht. Erwirtschaftete Mittel flossen überwiegend in Repräsentation und Lebensführung, nicht jedoch in technische Innovation oder nachhaltige Modernisierung. Die Folge war eine dauerhafte Verschuldung.
Nach 1753 setzte der Zerfall des Bergwerksbesitzes ein. Mit dem Tod Philipp Rabans im Jahr 1754 verloren die Unternehmungen ihre treibende Kraft. Seine Erben führten den defizitären Bergbau nicht weiter und veräußerten die letzten verbliebenen Werke 1767. Damit endete die bergbauliche Tätigkeit der Familie von Canstein endgültig.
Quelle: www.lwl.org westfälische Geschichte
Foto: Teta, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
* Der Pietismus war eine religiöse Erneuerungsbewegung innerhalb des Protestantismus.
** Muten = die Genehmigung zum Abbau beantragen

