Ledige Mütter

Im 19. Jahrhundert wurden alleinerziehende Mütter als ‚gefallene Mädchen‘, später als ‚ledige Mütter‘ bezeichnet. Ihr Leben war von starker sozialer Stigmatisierung, wirtschaftlicher und rechtlicher Benachteiligung geprägt. In ländlich geprägten Strukturen, wie im Sauerland, gab es aber durchaus Besonderheiten: Während im Bürgertum der Städte die uneheliche Mutterschaft als „tiefe Schande“ galt, wurde sie auf dem Land kritisch, aber zum Teil wesentlich pragmatischer  gesehen.

Bild links: Käthe Kollwitz, Public domain, via Wikimedia Commons

Eine Schwangerschaft konnte durchaus eine Eheschließung beschleunigen. Ehen konnten auch „nachgeholt“ werden, wenn sie aus wirtschaftlichen Gründen wie z. B. die Übernahme eines Hofes verschoben werden mussten.

Die meisten der betroffenen Frauen stammten aus den unteren sozialen Schichten wie z. B. Dienstmägde. Sie waren in der Regel hilflos, rechtlos und auf sich allein gestellt.  Die gesellschaftliche Schuldzuweisung traf ausschließlich die Frauen. Immer trugen sie allein die Schuld und die Verantwortung. Das entsprach dem damaligen Zeitgeist und den gesellschaftlich und kirchlich akzeptierten Normen.

Im 19. Jahrhundert kam es in Deutschland zu einem Anstieg unehelicher Geburten. Um 1900 entfielen etwa neun von hundert Geburten auf uneheliche Kinder, was bis zu Kindstötung oder Aussetzung führen konnte. Hauptgrund war wirtschaftliche Not (keine Wohnstätte, keine Arbeit, beides unabdingbar für eine Eheschließung).

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