Antrittsbesuch in Hesborn

Den Sauerländern wird allgemein ein trockener Humor nachgesagt – und Ortsfremde werden gern erst einmal aufs Glatteis geführt. So erging es auch Arnold Basse, als er sich erstmals in Hesborn als neuer Gendarm vorstellte.

Er suchte den örtlichen Gasthof auf, um informell Kontakt zu den Einheimischen aufzunehmen. Zur Mittagszeit herrschte reger Betrieb, und der neue Gendarm wurde selbstverständlich in die Bier‑Runden einbezogen. Auf den Rat eines Anwesenden hin ergänzte er die Runde mit einem kräftigen „Prost Kuckuck“. Eine merkwürdige Stille trat ein. Unbeeindruckt wiederholte Basse den Ruf bei jeder neuen Runde – bis von der Theke ein aufgebrachter Zuruf kam: „Wenn Sie nicht unser Gendarm wären, dann könnten Sie was erleben!“ (natürlich auf Platt).

Basse entschuldigte sich, ohne den Grund zu kennen. Die Hesborner klärten ihn auf: Böse Nachbarn hatten im vorigen Jahrhundert den Hesborner Schützenvogel – den Kuckuck – nachts von der Stange geraubt. Seitdem galt „Kuckucks‑Dorf“ als Spottname, den die Hesborner nicht ertragen konnten. Basse reagierte klug und gelassen: Er bestellte eine neue Runde für alle – und hatte die Hesborner damit auf seiner Seite.


Tragisches Ende des Arnold Basse
Am 3. Dezember 1896 verstarb Arnold Basse im Alter von 36 Jahren. Es existieren zwei Versionen des Geschehens:

Nach der Erinnerung seiner Ehefrau starb er beim Versuch, seinen Sohn Wilhelm aus der brennenden Wohnung im Schulgebäude zu retten, indem er versuchte, von außen durch ein Dachfenster in die brennende Wohnung zu gelangen. Die Corbacher Zeitung berichtete, ein überhitzter Ofen habe den Brand ausgelöst. Die Rettung war nur noch aus dem Obergeschoss möglich. Basse warf Bettzeug auf ein Stalldach unterhalb des Schlafzimmerfensters und rettete so seine sieben Kinder und seine Ehefrau. Danach brach er zusammen und verstarb wenig später.

Beiden Versionen ist gemeinsam: Arnold Basse opferte bei der Rettung seiner Familie aus der brennenden Wohnung sein Leben – ein wahrhaft mutiger und großartiger Familienvater sowie ein geachteter preußischer Landgendarm, der den Medebachern zum Vorbild wurde.

Seiten: 1 2