Die ungewöhnliche Strecke von Steinhelle nach Medebach

Als der „Feurige Elias“ rückwärts fahren musste

Der „Feurige Elias“

Die Dampflokomotiven der Kleinbahn wurden liebevoll „Feuriger Elias“ genannt. Anfangs standen vier Mallet-Dampflokomotiven zur Verfügung. Später kamen leistungsstärkere Maschinen hinzu, und ab 1940 übernahm auch ein Dieseltriebwagen einen Teil des Personenverkehrs.

Mitten durch die Ortschaften führte die schmalspurige Kleinbahn Steinhelle–Medebach. Die Dampflokomotiven wurden im Volksmund „Feuriger Elias“ genannt.
Foto: Sammlung Gerd Wolff / www.eisenbahnstiftung.de

Schnell war die Reise allerdings nicht. Die Dampfloks durften höchstens etwa 25 Kilometer pro Stunde fahren. Der später eingesetzte Triebwagen erreichte bis zu 40 Kilometer pro Stunde.

Die Bahn war weit mehr als ein Verkehrsmittel für Reisende. Sie brachte unter anderem Kohle und Düngemittel in die abgelegenen Orte und transportierte landwirtschaftliche Erzeugnisse sowie vor allem Holz hinaus. Auch für Schüler und Berufspendler wurde sie wichtig.

Den wirtschaftlichen Aufschwung, den man sich in Medebach vom Eisenbahnanschluss erhofft hatte, brachte sie jedoch nicht. Auch die Stadt Medebach kommt in ihrer historischen Darstellung zu dem Schluss, dass die Kleinbahn die erhoffte bessere wirtschaftliche Erschließung des Gebietes nicht leisten konnte.

Nur 50 Jahre auf Schienen

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Kleinbahn zunehmend unter Druck. Busse, Lastwagen und private Autos wurden zu einer immer stärkeren Konkurrenz. Die Fahrgastzahlen gingen zurück, und der Betrieb der schmalspurigen Strecke wurde zunehmend unwirtschaftlich. Am 23. Juni 1953 endete der Eisenbahnverkehr zwischen Steinhelle und Medebach. Kurz darauf wurden die Gleise abgebaut. Damit verschwand die Bahn, für deren Anschluss sich die Menschen im östlichen Sauerland jahrzehntelang eingesetzt hatten, nach nur gut 50 Jahren wieder aus dem Landschaftsbild.

Ganz verschwunden ist sie jedoch nicht. Teile der ehemaligen Trasse lassen sich bis heute nachvollziehen. Ein Kleinbahn-Rad- und Wanderweg erinnert an die Strecke, und auch Abschnitte der früheren Spitzkehren bei Küstelberg sind noch im Gelände erkennbar.

Ein Wagen kehrte zurück
Ein ehemaliger Güterwagen der Kleinbahn gelangte nach der Stilllegung nach Österreich und war dort jahrzehntelang auf der Zillertalbahn im Einsatz. 2021 kehrte er ins Sauerland zurück und gehört heute zum Fahrzeugbestand der Sauerländer Kleinbahn im Herscheider Ortsteil Hüinghausen (Märkischer Kreis).

Quellen:
Hansestadt Medebach: „Geschichte – Überblick“
Küstelberg.de: „Kleinbahnwanderweg“ und „Kleinbahn Steinhelle–Medebach“
OlsbergWiki: „Kleinbahn Steinhelle–Medebach“
Wilfried Rosenkranz: „Die Kleinbahn Steinhelle Medebach“, Teil 1, Olsberg Mittendrin

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