Die „Scheffersken“
Rund um Allendorf gab und gibt es einige Bräuche. Bei einem ging es um den Hausbau. Hierbei spielten die „Scheffersken“ eine besondere Rolle. Schaffer und Schaffnerin (nicht Schafferin) waren Verwalter und Organisatoren, quasi die Zeremonienmeister. Sie schmückten die Kirche, sammelten Spenden und waren zugleich Hüter alter Rituale. Beim Richtfest banden sie den Kranz, der später auf den Dachstuhl gehoben wurde. Mit Musik zog man dreimal um das neue Haus, während oben der Meisterknecht wartete.
Dann wurde ein Faden herabgelassen, der Kranz befestigt und langsam emporgezogen. „Beim Aufziehen desselben sagt die Schaffer´sche einige Sprüche, die der Meisterknecht mit einigen Zweideutigkeiten beantwortete“. Am Kranz hing ein neues Halstuch, daran ein Glas und ein Taler für den Meisterknecht. Nach der feierlichen „Zimmermannspredigt“ des Meisterknechtes trank dieser auf das Wohl des Bauherrn und warf anschließend das Glas in die Menge. Mit Spiel und Tanz ging das Fest dann weiter, das mit einer sogenannten „Hebe-Messe“ begonnen hatte.
Bemerkenswert ist auch, was in Allendorf nicht geschah: „Außer einzelnen Schlägereien […] sind in Allendorf seit Menschengedenken eigentliche Kriminalverbrechen, Mord, Raub, gefährliche Diebstähle und dergleichen nicht vorgekommen“ heißt es in der Chronik.
Lebendiges Brauchtum
Die Schefferinnen – im Plattdeutschen „Schäffersken“ genannt – hatten früher zahlreiche religiöse und soziale Aufgaben: In der Fastenzeit beteten sie, bei Beerdigungen banden sie Kränze und begleiteten Totenwachen. Auch bei Hochzeiten, Prozessionen und Festen waren sie fest eingebunden.
Heute treten sie vor allem beim Schützenfest in Erscheinung. Darüber hinaus tragen sie beim Auszug des Brautpaares aus der Kirche sowie am Volkstrauertag ein Gedicht vor.
Die erste urkundliche Erwähnung Allendorfs fällt in das Jahr 1296. Die Ortschaft gehörte zur Grafschaft Arnsberg und wurde 1368 bei den Arnsberger Freiheiten aufgezählt. Im Jahr 1407 wurde der Ort befestigt und galt seitdem als Stadt. 1424 verlieh der Kölner Erzbischof Allendorf die Stadtrechte, die es 1848 wieder verlor, als es zur Landgemeinde wurde.
*Anmerkungen
1 Pariser Fuß (altes Längenmaß) sind 32,48 cm
Allendorf liegt ca. 306 Meter über dem Meeresspiegel
1 „preußischer Fuß“ betrug 31,39 cm
Quelle:
„Auszüge aus der Chronik der Stadt Allendorf (1834)“ aus „Blätter zur näheren Kunde Westfalens“ von Dr. Karl Tücking (1877)

