Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Friedrich von Arnsberg, geb. um 1075, war Regent der Grafschaft Arnsberg-Werl von 1092 bis zu seinem Tod (1124). Seinen Beinamen, „der Streitbare“, erhielt er aufgrund seiner zahlreichen territorialen und politischen Fehden, insbesondere mit dem Erzbistum Köln.  Die Grafschaft Arnsberg war zu seinen Lebzeiten zwar territorial geschrumpft, aber militärisch und politisch eine der schlagkräftigsten Mächte Westfalens. Friedrich hatte nur ein einziges Kind, seine Tochter Ida, die die Grafschaft einmal erben würde. In väterlicher Voraussicht entschied Friedrich, einen geeigneten Schwiegersohn zu finden, der zugleich reich, mächtig und zugänglich oder besser folgsam sein musste. Er fand ihn in Gottfried von Cappenberg. Der Plan war perfekt: Die Grafschaft Arnsberg-Werl plus der Besitz Gottfrieds von Cappenberg würde eines der mächtigsten Territorien Westfalens bilden. Wie damals üblich wurde die Tochter Ida informiert, aber sicherlich nicht gefragt, ob sie das denn so auch wolle. Man darf allerdings vermuten, dass sie auf die Frage laut und deutlich mit „ja“ geantwortet hätte: Heiratspolitik war legitim und allgemein anerkannt und geachtet. Für eine Heirat gab es nur real-politische oder machtvergrößernde Gründe, Gefühle spielten keine Rolle.

Der undankbare Schwiegersohn
Friedrich von Arnsberg muss der festen Überzeugung gewesen sein, dass bei seinem Schwiegersohn Gottfried der dynastische Machterhalt seiner eigenen und seiner durch Heirat erworbenen Gebiete Lebensziel sein müsste. Das entsprach auch dem Zeitgeist und wurde nicht angezweifelt. Er hatte sich geirrt: Gottfried von Cappenberg hatte Norbert von Xanten kennengelernt, der seit 1115 als Wanderprediger unterwegs war, um das Leben nach dem Vorbild der Urkirche zu verbreiten. Er gründete 1120/1121 das Kloster Prémontré und damit den Orden der Prämonstratenser (1).

Bild links:
Ursprüngliche Deckplatte vom Grab des Hl. Gottfried von Cappenberg (Stiftskirche Cappenberg)

Foto: Montecappio, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

Gottfried war zutiefst beeindruckt und schenkte dem neuen Orden seinen gesamten Besitz. Seine Stammburg wurde in das Kloster Cappenberg umgewandelt, das als Doppelkloster (ein Chorherren- und daneben ein Chorfrauenstift) fungierte. Gottfried trat gemeinsam mit seinem Bruder in den Orden ein. Seine Frau (Ida von Arnsberg) und seine Schwestern fanden sich mehr oder weniger freiwillig im Damenstift wieder, dem sie ebenfalls beitraten.

Es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass Ida sich gegen diese lebensverändernden Umstände bzw. die Anordnungen ihres Mannes erfolgreich gewehrt hätte. Sie konnte es nach damaligem Verständnis auch gar nicht. Sie hatte ihrem Ehemann zu gehorchen. Vater Friedrich von Arnsberg dagegen unternahm alles, um die Erbfolge seiner Besitzungen zu erhalten. Er wütete gegen den undankbaren Schwiegersohn, was aber nichts an den Tatsachen änderte. 1124 starb Friedrich der Streitbare.

Foto oben: Braun, Hogenberg, Public domain, via Wikimedia Commons

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