Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Am 4. Mai 1751 dürfte in Felbecke mehr Betrieb geherrscht haben als an gewöhnlichen Tagen. Es ging um zwei Grundstücke, die Tönnies Diederich Pfeifer aus Dornheim einige Jahre zuvor erworben hatte. Nun sollte der Erwerb amtlich bestätigt werden. Überhaupt war es in Felbecke lebhafter geworden, seit der Gograf in den kleinen Ort gezogen war und hier Gericht hielt.
Ein Gogericht darf man sich nicht als mittelalterliches „Thing“1 unter freiem Himmel vorstellen. Im 18. Jahrhundert war es längst Teil einer geregelten territorialen Gerichtsbarkeit. Hier wurden Rechtsstreitigkeiten entschieden, Zeugen gehört und Rechtsgeschäfte bestätigt. Es ging um Grundstücke und Besitz, Forderungen, Verträge oder Erbschaften; auch Strafsachen konnten vor dem Gogericht verhandelt werden.
Für Felbecke bedeuteten die Gerichtstage ungewohnten Betrieb. Menschen aus den umliegenden Orten kamen wegen ihrer Rechtsangelegenheiten hierher. Wo an gewöhnlichen Tagen Landwirtschaft betrieben wurde, wurde nun verhandelt und Recht gesprochen.
An jenem 4. Mai standen Gograf Johann Albert Franz Reitz die Schöffen Cordes und Vogt zur Seite. Wer dieser Schöffe Cordes war, ist nicht genau bekannt. Möglicherweise handelte es sich um Johann Bernhard Cordes aus Niederhenneborn, der im Kirchrarbacher Kirchenbuch als „Gerichtsscheffe“ überliefert ist. Beweisen lässt sich das nicht, doch bemerkenswert ist seine spätere Verbindung nach Felbecke: Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1781 die fast zwanzig Jahre jüngere Maria Elisabeth Peetz aus dem Ort.
Ein Gograf zieht nach Felbecke
Das Amt des Gografen im Land Fredeburg lag über mehrere Generationen in den Händen der Familie Reutz beziehungsweise Reitz. 1680 wurde Johannes Reutz mit dem Amt betraut, 1711 folgte ihm sein Sohn Johann Christoph Reutz. Dessen Sohn Johann Albert Franz Reitz, 1710 in Dorlar geboren, sollte schließlich Felbecke zum Gerichtsort machen.
Johann Albert Franz Reitz war ursprünglich Hoferbe in Dorlar. 1736 erwarb er den Cordes-Hof in Felbecke und nahm dort seinen Wohnsitz. Nach dem Tod seines Vaters wurde auch er Gograf – und mit ihm kam das Gericht nach Felbecke.
Angaben zur Felbecker Geschichte nennen für das Gogericht auf Cors Hof die Jahre 1680 bis 1762. Doch erst 1736 kaufte Johann Albert Franz Reitz den Hof in Felbecke. Bis dahin war die Gografenfamilie in Dorlar ansässig. Die Jahreszahl 1680 dürfte daher eher auf den Beginn der Amtszeit Johannes Reutz’ als auf die Verlegung des Gerichtsortes nach Felbecke zurückgehen.
Johann Albert Franz Reitz starb 1762 in Felbecke und wurde im Kirchspiel Wormbach beigesetzt. Mit seinem Tod endete offenbar auch die Zeit Felbeckes als Gerichtsort.
Eine Urkunde im Pfarrarchiv Wormbach vom 3. Februar 1284 nennt einen Hermann von „Veltbike“ und gilt als erste urkundliche Erwähnung des Ortes. Das neuere Ortsnamenbuch des Hochsauerlandkreises führt den Beleg nach dem Urkundenbuch des Klosters Grafschaft allerdings unter dem Jahr 1285.
Foto oben: Teta, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
- Ein Thing (historisch auch Ding) war in der germanischen und frühmittelalterlichen Kultur eine Volks- und Gerichtsversammlung. Es war die wichtigste politische und rechtliche Institution jener Zeit. ↩︎

