Wie ein Bauernort zum Gerichtsort und später zum Handwerkerdorf wurde

Felbecke und die Zeit des Gogerichts

Der Cordes-Hof

Der Hof, auf dem Reitz lebte, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine längere Geschichte. Genealogische Aufzeichnungen nennen die Familie Cordes in Felbecke bereits im 16. Jahrhundert und teilweise früher – für diese frühen Jahresangaben fehlen jedoch zeitgenössische Belege.

Nach dem kinderlosen Tod des Gografen blieb der Cordes-Hof zunächst bei seiner Witwe Maria Theresia Elisabeth Reitz, geborene Schober. 1770 verkaufte sie den Hof an Anton Rüßmann, einen Ackersmann aus Wormbach, der Anna Margaretha Voß, die Tochter eines Felbecker Hofbesitzers geheiratet hatte und so nach Felbecke gekommen war.

In genealogischen Aufzeichnungen erscheint er später als „Rüßmann genannt Cordes“, in der folgenden Generation auch als „Coers“. Der alte Hofname lebte also weiter, obwohl längst eine andere Familie dort wohnte. Aus dem Cordes-Hof wurde im Laufe der Zeit offenbar das spätere Cors-Gut.

Die Hofkapelle

Der Hof war nicht nur Wohnsitz des Gografen und zeitweise Gerichtsort; auf seinem Grund stand auch die alte Felbecker Kapelle. Bereits 1610 wird hier eine dem heiligen Georg geweihte Kapelle erwähnt, später trug sie das Patrozinium der heiligen Apollonia. Das kleine Gotteshaus stand nördlich des Hofes an einem steilen Ufer oberhalb der Straße nach Wormbach. Noch die Kapellengeschichte des 20. Jahrhunderts nennt den Standort ausdrücklich „Cors-Gut “ (heute Eickhoff)“.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kapelle mehrfach verändert und schließlich so baufällig, dass sie aufgegeben wurde. 1971 erhielt Felbecke eine neue St.-Apollonia-Kapelle, die heute zusammen mit dem Dorfplatz den Mittelpunkt des Ortes bildet.

Stellmacher und Schmied

Felbecke war nicht nur ein landwirtschaftlich geprägter Ort und zeitweiser Gerichtsort. Auch das Handwerk spielte eine wichtige Rolle, wie ein Blick in das Adressbuch des Kreises Meschede von 1883 zeigt. Hier fallen keine Gografen mehr auf, sondern zwei Handwerker: Anton Hamm, Stellmacher, und Josef Jürgens, Schmied.

Der Beruf des Stellmachers ist heute fast verschwunden, war für ein Dorf des 19. Jahrhunderts jedoch unverzichtbar. Stellmacher bauten und reparierten hölzerne Wagen und Karren und vor allem deren Räder. Naben, Speichen und Felgen mussten so präzise gearbeitet sein, dass sie den Belastungen auf schlechten Wegen standhielten.

Dabei arbeitete der Stellmacher eng mit dem Schmied zusammen. Der Schmied fertigte Beschläge und zog den eisernen Reifen auf das hölzerne Rad. Beim Abkühlen zog sich das erhitzte Eisen zusammen und presste Felge und Speichen fest.

Dass Anton Hamm und Josef Jürgens gleichzeitig in Felbecke arbeiteten, ist besonders interessant, weil sich ihre Handwerke unmittelbar ergänzten. Anton Hamm gründete seine kleine Stellmacherei 1878. Später kam noch eine Sägewerk hinzu, das in 5. Generation bis heute besteht. Die Stellmacherei war bis 1975 in Betrieb.

Auch der Name Jürgens ist dort weiterhin mit dem Handwerk verbunden: Am Ort besteht heute ein Betrieb für Motorgeräte und Landtechnik, hervorgegangen aus einer Schmiede Jürgens.

Auch heute ist das Handwerk in Felbecke noch präsent. Für einen Ort mit nur rund 150 Einwohnern ist die Zahl der ansässigen Betriebe bemerkenswert. Selbst die Wasserversorgung wird mit einer eigenen Wasserinteressentengemeinschaft im Ort organisiert.

Felbecke ist einwohnermäßig klein geblieben – geschäftig war der Ort offenbar schon immer.

Quellen:
Stadtarchiv Schmallenberg, Best. C / Stadt/Amt Fredeburg bis 1803, Nr. C 15: Felbecke, 4. Mai 1751 – Bestätigung des Erwerbs zweier Grundstücke durch Tönnies Diederich Pfeifer durch Gograf Reitz und die Schöffen Cordes und Vogt.
Josef Lauber: Stammreihen Sauerländischer Familien, Band V, Kirchspiel Wormbach, Felbecke, S. 121 ff.
Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe: Geschichte der Kapelle Felbecke.

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