Das wechselvolle Leben eines Adelssprosses aus Bremscheid

Christoph von Esleve – vom Benediktiner zum Oberst

Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Um 1530 ließ sich Jürgen von Esleve in Ober‑Bremscheid nieder. Er war ein Sohn des Lambert von Esleve, genannt Hackstroh zu Eslohe. Das dortige Gut entwickelte sich zum Rittergut der Familie. Teile des alten Bruchsteinbaus sind bis heute erhalten; im Keller befindet sich ein romanischer Gewölberaum, der auf eine frühe Entstehungszeit hinweist.

Jürgens Sohn Hermann von Esleve, geboren 1540, übernahm später das Gut. Mit seiner Frau Margarethe von Bosen hatte er drei Kinder: Dietrich, Anna und Christoph. In einem notariellen Verhör von 1605 wird Margarethe als „edel- und vieltugendreiche Margarethe Bose, des auch edlen und ehrenfesten Herrn von Esleve zu Bremscheid eheliche Hausfrau“ bezeichnet.

Christoph wurde 1580 in Ober‑Bremscheid geboren. Sein zehn Jahre älterer Bruder Dietrich sollte später das Rittergut übernehmen. Christoph dagegen schlug einen völlig anderen Weg ein.

Ein dunkles Kapitel: Hexenprozesse

Christophs Vater Hermann war in einen erbitterten Konflikt mit seiner Bremscheider Nachbarin Margarethe Volmars geraten. Sein persönliches Unglück und seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten führte er auf angebliches Hexenwerk zurück und beschuldigte sie der Zauberei.

Auch seine Söhne wurden in den Streit hineingezogen. 1605 ritten Dietrich und Christoph gemeinsam nach Eslohe zum Hof des Christian Hoberg. Dort schossen sie mehrfach mit einer Büchse auf das Anwesen und beschimpften Hoberg als „Zauberer“. Hoberg und die ebenfalls der Hexerei beschuldigte Margarethe Volmars klagten daraufhin vor dem höchsten weltlichen Gericht des Sauerlandes in Arnsberg.

Ein Benediktiner aus Bremscheid

Christoph trat in das Benediktinerkloster Corvey ein. Die Verbindung zur Familie blieb bestehen: Als sein Vater wegen falscher Hexereianschuldigungen angeklagt wurde, unterstützte Christoph ihn mit seinem Rat.

1610 wurde er Propst der Propstei Obermarsberg. Ein zurückgezogenes klösterliches Leben führte er dort offenbar nicht. Überliefert ist, dass er dreizehn Pferde im Stall hielt, während die Schulden des Stifts auf 8.000 Taler anwuchsen.

Das blieb nicht ohne Folgen. 1615 schlug der westfälische Landdrost Kaspar von Fürstenberg dem Kölner Kurfürsten Ferdinand von Bayern vor, den „Schuldenmacher“ in Marsberg abzulösen.

Doch hinter den Konflikten standen nicht nur wirtschaftliche Probleme. Christoph neigte dem Luthertum zu und unterstützte die gegenreformatorische Politik des Kölner Kurfürsten nicht. 1617 wurden Jesuiten nach Marsberg entsandt. Im selben Jahr erscheint Christoph als Propst des Klosters Kemnade im heutigen Landkreis Holzminden.

Foto oben: Stefan Didam – Schmallenberg, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

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