Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Zur historischen Dorfstruktur Radlinghausens gehörte schon immer der Dorfteich. Er war in alter Zeit weit mehr als nur ein idyllischer Blickfang. Die Tatsache, dass auf der Briloner Kalkhochfläche das Wasser schnell im durchlässigen Untergrund versickert, stellte die Wasserversorgung der Bewohner über Jahrhunderte vor Probleme.
Der Dorfteich besaß keine eigene Quelle, sondern sammelte vor allem Oberflächen- und Schmelzwasser. Sein Wasser wurde für das Kleinvieh, zum Hausputz und für andere Arbeiten genutzt, als Trinkwasser war es jedoch nicht geeignet.
Die Trinkwasserversorgung musste deshalb anders gelöst werden. In gemeinschaftlicher Arbeit wurden am Teichrand zwei Brunnen von zwölf und 18 Metern Tiefe angelegt; daneben gab es einzelne Privatbrunnen und Zisternen. Vor dem Bau der Brunnen mussten die Bewohner ihr Trinkwasser sogar aus Alme holen. In trockenen Sommern wurde das Wasser dennoch knapp, und selbst die als Viehtränke genutzten Teiche konnten trockenfallen.


Wie eng Radlinghausen mit der Karstlandschaft verbunden ist, zeigte sich besonders bei starker Schneeschmelze. Dann ergossen sich nach einer alten Beschreibung 10 bis 15 Zentimeter tiefe Wasserströme mitten durch das Dorf. Sie überfluteten den Dorfteich, den angrenzenden „Raiten“ und mitunter sogar Hauskeller. Rund 80 Meter weiter verschwand das Wasser gurgelnd im tiefen „Schwalchloch“ auf der Wallmei. Das Naturschauspiel ließ sich sogar vom Schulhof und aus den Klassenzimmern beobachten. Nach örtlicher Überlieferung floss das Wasser durch unterirdische Spalten weiter und speiste schließlich vermutlich die Almequelle.
Doch der Kalkstein unter Radlinghausen ließ nicht nur das Wasser verschwinden. Er barg noch eine andere Besonderheit, die man ausgerechnet rund um den Dorfteich finden konnte. Wer dort oder im eigenen Garten grub, konnte mit etwas Glück auf etwas Merkwürdiges stoßen: milchig-weiße Kristalle, an beiden Enden zu einer Spitze geformt. Im Dorf nannte man sie „Donnerkeile“.
Bild ganz oben: Der Radlinghauser Dorfteich
Foto: Malchen53, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

