Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Im Sommer 1816 standen die Menschen von Wasserfall vor Feldern, die kaum Ertrag versprachen – ohne zu wissen, dass der Grund dafür auch ein Vulkan war, den niemand von ihnen je sehen würde.

Im April 1815 war auf der indonesischen Insel Sumbawa der Vulkan Tambora ausgebrochen – mehr als 11.000 Kilometer vom Sauerland entfernt. Die Menschen in Wasserfall konnten nicht ahnen, dass dieses Ereignis auch ihr Leben beeinflussen würde. Bei der gewaltigen Eruption gelangten große Mengen Schwefeldioxid in die Atmosphäre. Daraus entstanden Sulfataerosole, die sich verbreiteten, einen Teil der Sonneneinstrahlung abschirmten und das Klima beeinflussten.

Die Folgen zeigten sich besonders im folgenden Jahr. 1816 ging als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Ungewöhnliche Kälte und starke Niederschläge führten in weiten Teilen Europas zu Missernten. Die Lebensmittelpreise stiegen, und 1817 verschärfte sich die Not zur Hungerkrise.

Auch Wasserfall traf die ungewöhnlich schlechte Witterung. Für 1816 ist überliefert, dass die Ernte ausfiel. Die Krise traf damit eine Gemeinschaft, deren Alltag ohnehin von Härte geprägt war.

Die Anfänge

Wasserfall war ein Ort, an dem das Leben rau blieb. Steile Hänge, dichter Wald und ein kühles Höhenklima prägten den Alltag. Seit dem 16. Jahrhundert entstand hier eine kleine Waldsiedlung, in der vor allem Köhler, Hirten und Bauern lebten – Menschen, die die natürlichen Möglichkeiten der abgelegenen Lage nutzten.

Der Wald war ihr wichtigster Rohstoff. Holz wurde zu Holzkohle verarbeitet, die für die Metallverarbeitung der Umgebung benötigt wurde. Das Gebiet, auf dem Wasserfall entstand, gehörte ursprünglich zu Wiggeringhausen; überliefert ist, dass die Köhler des Dorfes Holzkohle für die dortige Eisenhütte herstellten. 1583 löste sich Wasserfall von Wiggeringhausen. Für 1649 findet sich sogar die Nachricht, dass nahezu das gesamte brauchbare Holz der Umgebung verkohlt worden sei.

Die Landwirtschaft allein reichte auf den kargen Böden kaum zum Auskommen. Viele Bewohner verdienten zusätzlich als Tagelöhner – ein typisches Muster für abgelegene Höhenorte.

Foto oben: Teta, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

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