Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Radlinghausen wirkt auf den ersten Blick wie ein typisches Briloner Dorf: wenige Höfe, ein stiller Dorfteich, viel Grün und kaum Verkehr. Doch dieser Eindruck täuscht. Hinter der beschaulichen Kulisse verbirgt sich eine Siedlungsform, die in Nordrhein‑Westfalen einzigartig ist.
Der Ort gilt als das wohl letzte erhaltene Wagendorf des Landes. Seine mittelalterliche Grundstruktur ist seit über 700 Jahren nahezu unverändert geblieben. Während viele historische Orte durch Neubauten, Flurbereinigungen und Straßenverlegungen ihr ursprüngliches Erscheinungsbild verloren haben, blieb die Anlage hier erstaunlich intakt.
Ein Dorf wie ein Wagenrad
Wer durch den Ort spaziert, erkennt die Besonderheit zunächst kaum. Erst aus der Vogelperspektive oder beim Blick auf historische Karten erschließt sich die ungewöhnliche Anordnung der Höfe, in der sich die alte Siedlungsstruktur Radlinghausens bis heute abzeichnet.

Bei der Siedlungsform des „Doppelrundlings“ gruppieren sich die Höfe um zwei miteinander verbundene, rundliche Dorfplätze oder Anger. Radlinghausen hat diesen besonderen Grundriss über Jahrhunderte bewahrt. Ein Anger ist eine gemeinschaftlich genutzte Freifläche innerhalb des Dorfes. Ursprünglich konnte er als Weide- und Sammelplatz, für den Viehtrieb und gemeinschaftliche Arbeiten dienen; häufig befand sich dort auch eine Wasserstelle oder, wie in Radlinghausen, ein Brunnen.
Das Siedlungsbild des Doppelrundlings unterscheidet sich deutlich von einem Straßendorf, dessen Häuser sich entlang eines Verkehrsweges reihen, oder einem unregelmäßig gewachsenen Haufendorf. Vermutlich geht die regionale Bezeichnung „Wagendorf“ darauf zurück, dass die Wege strahlenförmig auf die Dorfmitte zulaufen und an die Speichen eines Wagenrades erinnern.
Alle Bilder in diesem Bericht aus der Jubiläums-Dorfchronik Radlinghausen

