Text: Sabina Butz
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung
Ein entspannendes Bad nehmen oder schnell unter die Dusche springen, ist für uns heute selbstverständlich. In Deutschland gibt es kaum noch eine Wohnung ohne Badezimmer. Vor rund 200 Jahren – und Jahrhunderte davor – sah das völlig anders aus. Für eine Arbeiter- bzw. im Sauerland meist Landarbeiterfamilie war ein Badegefäß in einer etwa 50‑Quadratmeter‑Wohnung, die oft bis zu zehn Personen beherbergte, schon aus Platzgründen undenkbar. Hinzu kamen die hohen Kosten für Holz und Kupfer. Auch die Wassermenge für ein Vollbad – mindestens 100 Liter, die erhitzt werden mussten – war mit den damaligen Haushaltsmitteln kaum zu bewältigen. Das Wasser kam nicht aus der Leitung, sondern musste mühsam vom Brunnen geholt werden.
Kurzer Rückblick in die Geschichte der Körperpflege
Schon Hippokrates (um 460 v. Chr.), der Vater der modernen Medizin, betonte, dass Sauberkeit und Lebensweise entscheidend für die Gesundheit seien. Auch im vorchristlichen Rom finden wir ausgebaute Infrastrukturen für Frischwasser, Badehäuser und Abwassersysteme. Private Badezimmer gab es im 5. Jahrhundert vor Christi zwar noch nicht, doch das Baden in öffentlichen Badehäusern diente ausdrücklich der Reinigung und dem Wohlbefinden.
Ab dem 14./15. Jahrhundert galt Wasser in Europa jedoch als ungesund, gefährlich und minderwertig. Man vermutete, dass Krankheiten wie Ruhr, Cholera oder Pest durch Wasser übertragen würden. Alkohol erschien als sichere Alternative.
Körperpflege im Sauerland
Im Sauerland unterschied sich die Körperpflege bis ins 18. Jahrhundert stark nach sozialer Schicht. Rund 80 % der Bevölkerung waren abhängige Bauern. Die „gehobenen“ Schichten – Adel, wohlhabende Bürger – machten nur wenige Prozent aus; hinzu kamen etwa 2 % kirchliche Amtsträger sowie 10–15 % Stadtbürger, Handwerker, Händler und Beamte.
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