Für Adel und wohlhabende Familien gab es zwar mehr Annehmlichkeiten, doch Badezimmer gehörten nicht dazu – zumindest fehlen dafür jegliche Belege. Die Körperpflege fand mit Waschschüsseln und Krügen in den Wohnräumen statt. Fest installierte Badezimmer entstanden im Sauerland erst im 19. Jahrhundert.

In gehobenen Kreisen standen hochwertige Kleidung und Duftstoffe wie Lavendel, Rosmarin oder Salbei zur Verfügung – teuer, aber wirksam zur Überdeckung von Gerüchen.

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Für die arme Landbevölkerung sah es anders aus:
Im Mittelalter war Körperpflege mit Wasser noch üblich. Doch im 15. und 16. Jahrhundert setzte sich die Vorstellung durch, Wasser könne durch die Haut in den Körper eindringen, ihn „aufweichen“ und krank machen – eine Annahme, die durch wiederkehrende Pestwellen vermeintlich bestätigt wurde. Die Menschen folgten diesen Vorstellungen: Gewaschen wurde mit einem Lappen und einer Gebrauchsschüssel in der engen Wohnstube.

Erst im 19. Jahrhundert setzte sich mit der Entdeckung von Bakterien und dem Ausbau von Kanalisationen das moderne Hygieneverständnis durch. Heute sind sauberes Trinkwasser und Körperhygiene grundlegende, unverzichtbare Bedürfnisse.

Erst Ende des 18. Jahrhunderts kam die Kehrtwende. Fließendem Wasser wurden beinahe wundersame Kräfte zugeschrieben. Es wurde wieder zur Grundreinigung genutzt – oft zusammen mit selbst hergestellter Kernseife.

Unsere heutigen Vorstellungen von Körperpflege haben sich jedoch nicht nur im Wasch‑, Bade‑ und Duschverhalten verändert. Auch unser Geruchsempfinden ist ein anderes: Das Zuhause einer Landarbeiterfamilie im Sauerland dürfte bis mindestens 1900 unsere heutige Nase stark herausgefordert haben. Tröstlich bleibt, dass sich Menschen an dauerhafte Gerüche in der Regel gewöhnen.

Quellen
Vgl. Westfälischer Adel 1770–1860, dokumen.pub
Study.com, Zusammenfassung zur Sozialstruktur im 18. Jahrhundert

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