Text: Christel Zidi
Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

In den Städten des Sauerlandes zeigte sich im 19. Jahrhundert bereits ein deutlicher Hauch der großen Welt. „Besonders die feinen Damen von Arnsberg präsentierten sich ganz comme il faut“, also „wie es sich schickt“. So ist bei Grimme in „Das Sauerland und seine Bewohner“ zu lesen, dass sie Krinolinen trugen, kleine Hütchen und feine, weiße Blusen, dazu zierliche Uhren und Armbänder. „Modejournale wie der ‚Bazar‘ gehörten zur selbstverständlichen Lektüre, ebenso wie das nachmittägliche Teetrinken, das nicht selten von lebhaftem Klatsch begleitet wurde“. Krinolinen fanden besonders im Sommer Verwendung, erwiesen sich jedoch in engen Kirchenbänken als ausgesprochen unpraktisch.


Weiter schreibt Grimme, „selbst das ehrbare Brilon, dessen ‚stracke Straße‘ sonst als breit genug galt, erlebte zuweilen modische Engpässe: Wenn drei Damen nebeneinander flanierten, mussten Hunde notgedrungen in die Nebenstraße ausweichen“. Dieses Modeschauspiel betrachteten die übrigen Bewohner eher mit Staunen und Skepsis, und die übrigen Städtchen des Landes „sehen gleichfalls vereinzelte Exemplare der bezeichneten Gattung durch ihre Straßen defilieren. Selbst einige wenige Dörfer sehen soviel davon, dass sie ihren hinlänglichen Spaß daran haben“, schrieb Grimme und schloss das Kapitel mit dem Satz: „Sonst — alles beim Alten“.

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