Foto: Georg Hennecke
Text: Christel Zidi
Beitrag mit erzählerischen Ergänzungen
Um das Jahr 1840 – manche erinnerten sich später, es sei vielleicht erst 1843 oder 1844 gewesen – legte sich ein düsterer Schatten über Madfeld. Zuerst erkrankte ein einzelnes Pferd, dann ein zweites, und schon bald schien kein Hof im Dorf mehr verschont. Was die Menschen nur noch das „große Pferdesterben“ nannten, riss innerhalb weniger Wochen die Lebensgrundlage der Dorfgemeinschaft auseinander.
Die Tiere, die morgens die Pflüge zogen und abends die schweren Wagen heimführten, fielen plötzlich zusammen. Fieber, Atemnot, eitrige Ausflüsse – die Angst kroch in jede Stube. Niemand wusste Rat. Einige munkelten vom Rotz, einer gefürchteten Krankheit, die damals fast immer tödlich endete. Für die Bauern war jeder Verlust weit mehr als der Tod eines Tieres: Ohne Pferde war es schwer, die Felder zu bestellen, Holz konnte nicht mehr aus dem Wald geholt werden, und die Ernte drohte zu verfaulen. Die Angst vor Hunger und Not legte sich wie ein kalter Mantel über die Dörfer, und manche Familien mussten hilfesuchend zu den Nachbarn ziehen.
Mitten in dieser verzweifelten Zeit lebten Adam Johan Lange und seine Frau Maria Margarethe Schulte. Seit ihrer Hochzeit 1820 hatten sie gemeinsam den Hof bewirtschaftet. Sie kannten die fragile Abhängigkeit von Mensch, Tier und Boden – doch nun spürten sie die Zerbrechlichkeit ihres Lebens noch deutlicher.
Als schließlich auch ihre Pferde krank wurden, wuchs die Verzweiflung ins Unermessliche. Mit jedem Tier, das starb, schwand die Hoffnung, die Arbeit des Jahres noch zu bewältigen. Die Stille im Stall, durchbrochen nur vom schweren Husten der Tiere, schien die Angst der Menschen zu spiegeln. In dieser Zeit der Ohnmacht suchten Johan und Margarethe Halt im Glauben. Sie beteten um ein Ende der Seuche und legten ein Gelübde ab: Sollte das Pferdesterben aufhören, wollten sie ein sichtbares Zeichen ihres Dankes setzen.
So stifteten sie später einen Bildstock – nicht nur als fromme Gabe, sondern als Symbol von Hoffnung und Widerstandskraft inmitten existenzieller Bedrohung. Auffällig ist seine Ausrichtung: Er zeigt nicht, wie in der christlichen Tradition üblich, nach Osten, sondern direkt zur Madfelder Kirche. Dies folgte einer besonderen lokalen Gepflogenheit, denn in Madfeld sind alle Heiligenbilder, Wegkreuze und Bildstöcke auf die Pfarrkirche St. Margaretha ausgerichtet, das geistliche Zentrum des Dorfes.
Überhaupt zeigt sich ein lebendiges Glaubensleben in Madfeld, wozu auch die Marienprozession gehört. Zur 1000-Jahr-Feier im Jahre 2025 gab es einen zirka 250 Meter langen Blütenteppich, der den Weg der Prozession bis zur zweiten Station und darüber hinaus vorzeichnet.
Johan Lange starb 1859 in Madfeld. Er war nicht nur „Ackersmann“ , wie in den alten Kirchenbüchern (matricula-online.de) zu lesen ist, sondern auch Mitglied des Kirchenvorstandes und eine Zeitlang Ortsvorsteher. Schon seit Urgroßvater wurde in Madfeld geboren. Die Familie seiner Urgroßmutter, Anna Margrethe Sprenger, lässt sich in Madfeld sogar noch weiter zurückverfolgen. Johans Frau Margarethe, die aus Beringhausen stammte, überlebte ihn um elf Jahre.
Pfarrkirchen, die der Heiligen Margaretha geweiht sind, sind relativ selten im Sauerland. Außer der Kirche in Madfeld tragen auch die Pfarrkirchen in Ramsbeck und Warstein ihren Namen. Die Heilige gilt unter anderen als Schutzpatronin der Bauern und Schwangeren.

