Blick auf Cobbenrode
Text: Sabina Butz

Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Im frühen Mittelalter entstanden im Sauerland zahlreiche Rodungssiedlungen. Im 9. und 10. Jahrhundert wurde die Besiedlung der waldreichen Höhenlagen notwendig, da die Bevölkerung wuchs und neue landwirtschaftliche Flächen benötigt wurden. Diese Entwicklung hing eng zusammen mit der Integration des Gebietes in das Frankenreich, der Christianisierung und der Entstehung neuer Dörfer entlang alter Handels- und Verbindungswege.

Der Name „Cobbenrode“ erscheint bereits 1366 in der heute gebräuchlichen Schreibweise. Weitere historische Varianten sind Kopbenrode, Koppenroude, Koppenroide, Coppenrode, Kolpenroide, Kobenrode und andere. Die Deutung als Rodung eines Mannes namens Cobbo ist sprachwissenschaftlich naheliegend: Der Personenname Cobbo ist im germanischen Raum belegt. Allerdings gibt es keinen einzigen historischen Hinweis auf einen solchen Cobbo im Sauerland des 9. oder 10. Jahrhunderts. Die Rodung musste benannt werden – und ein Name wie Cobbo bot sich als sprachliche Ableitung an, ohne dass eine reale Person dahinterstehen muss.

Bereits 1293 taucht der Ortsname in einer Urkunde auf, allerdings im Zusammenhang mit einem Adelsgeschlecht, das sich nach dem Dorf benannte. Diese Familie „von Cobbenrode“ tritt im 14. Jahrhundert mehrfach als Gefolgsleute der Grafen von Arnsberg auf.

Der Ort ist aber deutlich älter als die Adelsfamilie, und die Familie trägt den Ortsnamen – nicht umgekehrt.

Aus einer kleinen Rodungszelle entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein Dorf, begünstigt durch alte Wegebeziehungen zwischen Eslohe, Schmallenberg und dem oberen Ruhrtal.

Ein Mann namens Cobbo könnte theoretisch der Initiator dieser Rodung gewesen sein – historisch belegt ist das jedoch nicht. Die damaligen Siedlungsbenennungen folgen häufig demselben Muster: Ein rekonstruierter Personenname dient als Erklärung für den Ortsnamen, ohne dass eine konkrete Person nachweisbar wäre.

Damit wäre Cobbo nicht der Gründer von Cobbenrode, sondern eher eine nachträglich angenommene Figur, die zur Erklärung eines bereits bestehenden Rodungsnamens herangezogen wurde.


Foto: Stefan Didam – Schmallenberg, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons