Text: Sabina Butz

Beitrag mit ausschließlich faktenbasierter Darstellung

Wallen ist ein Ortsteil der Stadt Meschede im Hochsauerlandkreis. Südwestlich des Ortes liegt die Ruine der Burg Wallenstein.

Die Namensherkunft wird häufig auf das Verb wallen = wogen zurückgeführt. Diese Deutung ist jedoch in der deutschen Ortsnamenforschung nicht belegt und für das Sauerland völlig untypisch. Sprachhistorisch lässt sich Wallen am ehesten auf den Begriff Wall zurückführen – also auf einen Ort bei Wällen, Geländekanten oder einer markanten Hangkante. Diese Erklärung passt exakt zu den örtlichen Gegebenheiten: Der Ort liegt unterhalb der Bergkuppe Wallenstein, die Burg selbst auf einem natürlichen Fels- bzw. Wallkopf. Hangkanten und Terrassen prägen die gesamte Landschaft. Der Name dürfte vor dem 13. Jahrhundert entstanden sein.

Foto: Martin Lindner, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Zur Geschichte:

Schriftliche Belege aus der Frühzeit fehlen, doch die Lage zwischen Wennetal und Arnsberger Wald spricht für eine frühe Siedlungskontinuität. Die Errichtung der Burg Wallenstein – vermutlich durch die Grafen von Arnsberg – ist im 14. Jahrhundert anzusetzen.

1368 verkauften die Grafen von Arnsberg ihre gesamte Grafschaft an das Erzstift Köln. Der früheste namentliche Beleg zur Burg stammt aus dem Jahr 1369: Die Gebrüder Hake werden als Burgleute von Wallenstein erwähnt.

1414 wurde die Burg in einer Fehde zwischen der Familie Hake und dem Erzstift Köln zerstört. Zwischen 1452 und 1484 finden sich Hinweise auf einen versuchten Wiederaufbau, der jedoch nicht vollendet wurde. Anschließend verfiel die Anlage vollständig und wurde über Jahrhunderte hinweg durch Steinraub weiter abgetragen.

Heute sind von der Burg nur noch Reste eines Halsgrabens – also eines Grabens, der jene Seiten des Areals schützt, die nicht durch natürliche Hindernisse gesichert sind – sowie Mauerreste von 8,5 m Länge und 1,8 m Höhe erhalten.

Sagen und Überlieferungen

Auch um Wallenstein ranken sich lokale, ausschließlich mündlich überlieferte Sagen. Eine davon erzählt vom Ende eines „letzten Raubritters“, der sich mit dem Kurfürsten von Köln überworfen haben soll. Der Ritter entkam angeblich der Belagerung der Burg und floh in eine nahe gelegene Mühle am Bremkebach östlich von Freienohl. Dort erschlug ihn der tapfere Müller mit einem Meißel – eine Tat, die allgemeine Anerkennung gefunden habe. Der Kurfürst soll den Müller zusätzlich mit dem Grundbesitz des erschlagenen Bösewichts belohnt haben.

Diese Sage ist vermutlich erst im 19. Jahrhundert entstanden. Sie besitzt keine mittelalterliche Grundlage und gehört zur romantisierenden Burgenfolklore, die Ruinen mit dramatischen Erzählungen zu erklären versucht. Dennoch sollten wir die Bedeutung solcher Sagen für moralische Vermittlung und lokale Identitätsbildung nicht unterschätzen – auch wenn sie heutigen Wertmaßstäben nicht mehr entsprechen.

Bild oben: Friedhelm Dröge, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons