Doch Veleda lebte tatsächlich. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus schrieb im ersten Jahrhundert, dass Veleda eine germanische Seherin vom Stamm der Brukterer war. Historische Bedeutung kommt ihr durch ihre Beteiligung am Bataveraufstand* zu, in dem sie den Sieg für die aufständischen Germanen weissagte.

Veleda war nach Tacitus’ Aussage eine hochgewachsene Jungfrau, die zurückgezogen in einem Turm an der Lippe lebte. Die Seherin kommunizierte in dieser Funktion nur über Vertraute.

Tacitus verortete Veledas Wohnort deutlich im Bereich der Lippe. Das hielt die Romantiker im 19. Jahrhundert jedoch nicht davon ab, die Geschichte neu zu erfinden. In einer Ruhrgebietssage ist gar zu lesen, dass Veleda von ihrem Wohnsitz zwischen Bochum und Hattingen (an der Ruhr!) fliehen musste: „Heimlich, in einer tiefdunklen und regnerischen Nacht, floh sie aus ihrem Wohnturm im Rauendahl ruhraufwärts ins Sauerland. Dort suchte Veleda einen sicheren Ort, ein Versteck, um sich vor den Römern zu verbergen, und so drang sie immer weiter und weiter in das ihr unbekannte Gebiet vor. Endlich, nach langen Mühen, fand sie einen geeigneten Platz – eine große Höhle. Bald sprach es sich in der ganzen Gegend herum. Die Priesterin Veleda ist hier! Die Leute aus den angrenzenden Siedlungen brachten ihr viele kostbare Opfergaben, bald wurde auch die Höhle nach ihr »Veledahöhle« genannt.“

Diese Sage entstand allerdings sehr lange nachdem Tacitus schrieb, dass Veleda und der Bataver-Stammesführer Civilis im Jahre 77 gefangen genommen und an die Römer ausgeliefert wurden. In einem Triumphzug war die Seherin durch die Straßen Roms geführt worden.

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