Tischsitten im Sauerland

Händewaschen

Im mittelalterlichen Sauerland gehörten rund 80–90 % der Bevölkerung den niederen Schichten an – überwiegend Bauern und landwirtschaftlich Beschäftigte. Die Tischkultur unterschied sich stark nach sozialem Stand:

Einfaches Volk: Gegessen wurde mit den Fingern, oft aus einem gemeinsamen Topf. Jeder besaß einen eigenen Löffel, Gabeln waren unbekannt. Becher wurden gemeinschaftlich genutzt. Das Händewaschen vor dem Essen war Pflicht. Knochen durften nicht in die gemeinsame Schüssel zurückgelegt werden. In vorhandene Tischtücher durfte nicht geschnäuzt werden. Körperpflege (Kratzen, Läuse suchen) war während des Essens untersagt.

Höhere Schichten: Klöster und Adel entwickelten eine zunehmend differenzierte Tischkultur:  Die Sitzordnung folgte einer strengen Rangordnung.

Man berührte nach dem Händewaschen nichts außer der Speise. Man begann erst zu essen, wenn die ranghöchste Person begann. Große Bissen, volles Sprechen und unkontrolliertes Trinken waren verpönt.

Eine drastische Regel, ursprünglich für Ritter formuliert, galt später auch für Landarbeiter und gilt vielleicht auch heute noch?

„Wer schmatzt wie ein Schwein, soll beim Vieh essen.“

Quellen:
Planet Wissen: Tischetikette – Tischsitten im Mittelalter
Akademie der Wissenschaften Göttingen: Tischzuchten – Definition und Inhalte
Wie schmeckt: Tischsitten im Mittelalter (Esskultur & Geschichte)
OpenEdition Books: Buschinger, Banquets et manières de table… (Regeln in Parzival und Wälscher Gast)

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