
Ein politischer Einschub
Zur Zeit der Urkunde regierte Karl der Große. Er hatte die Lex Salica, das fränkische Volksrecht, bestätigt und erweitert. Auf dieser Grundlage konnte Thancgrim ein Botding (Gerichtsversammlung) anrufen und die Familie des Täters zur Verantwortung ziehen.
Das Urteil lautete auf Zahlung eines außergewöhnlich hohen Wergeldes, sodass das gesamte Vermögen der Familie Tiemos an Thancgrim fiel. Dieser wiederum vermachte es dem Abt Liudger. Damit wurde schließlich auch die Kirche Teil der Erzählung.
Fazit
Eine Urkunde aus dem Jahr 802 wird im Laufe der Zeit zu einer dramatischen Legende ausgeschmückt. Spätmittelalterliche Volkserzählungen folgen häufig diesem Muster: Sie füllen historische Lücken mit moralischen Deutungen, dramatischen Motiven und personalisierten Figuren.
Die Leitmotive dieser Legendenbildung – Liebe, Eifersucht, Verrat, Mord, Fehde und göttliche Fügung (Liudger erhält Besitz) – prägen nicht nur mittelalterliche Erzähltraditionen. Vielleicht stehen sie auch heute noch im Zentrum mancher journalistischen Themenfindung.
Kurzfassung der Schenkungsurkunde (802)
Thancgrim und seine beiden Söhne übertragen einen Teil ihres Erbes an Abt Liudger. Der Hintergrund: Thancgrims Sohn Bosoco wurde ermordet. Nach einem Gerichtsverfahren fiel das Eigentum der Täter (Brunico und seine Söhne) an die Familie von Thancgrim. Dieses Eigentum schenken sie nun der Kirche – zum Seelenheil von Bosoco. Die Schenkung umfasst alles, was dazugehört, also Land, Wald und Rechte.
Die Übergabe erfolgt offiziell und soll für immer gelten. Die Urkunde wurde am 13. Januar 802 im Dorf Hustanne (an der Ruhr) im 34. Regierungsjahr von König Karl ausgestellt und von mehreren Zeugen bestätigt. Die Urkunde wurde am 13. Januar 802 im Dorf Hustanne (an der Ruhr) im 34. Regierungsjahr von König Karl ausgestellt und von mehreren Zeugen bestätigt.
