Barock hinter schlichten Mauern

Die Kirche St. Laurentius in Scharfenberg

Wie entstand eine solche Kirche?

Dass ein vergleichsweise kleines Dorf wie Scharfenberg über eine Kirche dieser Qualität verfügt, ist eng mit der Patronatsfamilie von Weichs verbunden. Ihr Einfluss und ihre finanziellen Möglichkeiten machten den barocken Neubau erst möglich. Noch heute zeugen das Wappen am Hauptportal und am Hochaltar von dieser engen Verbindung.

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Scharfenberger Kirche
Foto: MBWesterwinter, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Bereits 1344 wird erstmals ein Vikar an der Scharfenberger Kapelle erwähnt. Um 1400 wurde Scharfenberg zu einer selbstständigen Pfarrei. Die Herren der Burg Scharfenberg bestimmten über Jahrhunderte das Leben des Ortes und besaßen das Patronatsrecht über die Kirche, das später auf die Familie von Weichs überging. Eine Notiz aus dem Jahr 1619 verrät sogar, dass der Pfarrer damals noch auf der Burg wohnte – ein Hinweis darauf, wie eng Kirche und Herrschaft miteinander verbunden waren.

Ein Meisterarchitekt

Zwischen 1745 und 1750 entstand die heutige Kirche nach den Plänen des Hof- und Landbaumeisters Franz Christoph Nagel aus Rietberg. Nagel war einer der bedeutendsten Architekten des Hochstifts Paderborn. Bereits mit 26 Jahren wurde er Hof- und Landbaumeister und prägte Kirchen, Brücken, Straßen und öffentliche Gebäude. Seine Architektur verbindet westfälische Bautradition mit Einflüssen des französischen und süddeutschen Barock. Charakteristisch sind eine großzügige Raumwirkung, klare Gliederungen und eine Lichtführung, die den Kirchenraum festlich und weit erscheinen lässt, ohne ihn zu überladen.

Die Kirche ist als einschiffiger Saalbau mit drei Jochen angelegt. Kräftige Pfeiler tragen ein lediglich 30 Zentimeter starkes, jedoch außerordentlich stabiles Kreuzgratgewölbe aus Tuffstein. Ein mächtiger Triumphbogen führt in den Chor, während der Westturm Mauern von bis zu 1,60 Metern Stärke besitzt.

Fast wäre all diese Schönheit verloren gegangen. Beim Großbrand vom 27. Juni 1847, der nahezu das gesamte Dorf verwüstete, wurden Kirchturm und Dach zerstört. Das massive steinerne Gewölbe hielt jedoch den Flammen stand und bewahrte die wertvolle barocke Ausstattung. Beim Wiederaufbau erhielt der Turm sein bis heute charakteristisches achteckiges Pyramidendach.

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