Das Hellefelder Taufbecken aus Bönkhauser Blei
Lange hielt man das alte Hellefelder Taufbecken für ein Zinnbecken. Metallanalysen aus den Jahren 1993 und 2003 belegten jedoch einen Bleigehalt von 99,9 Prozent – es handelt sich also um eine sogenannte „Bleitaufe“. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stammt das verwendete Material aus den nahegelegenen Erzvorkommen bei Bönkhausen und Endorf.
Taufbecken aus Blei sind in Deutschland selten; häufiger finden sie sich in Südengland und Nordfrankreich. Die Bronzeglocke auf dem Becken trägt eine Inschrift aus dem Jahr 1432.

Das zylindrische Gefäß wurde bislang meist pauschal als romanisch eingeordnet und ins 12. Jahrhundert datiert. Die Kunsthistorikerin Ingrid Reißland weist jedoch auf bemerkenswerte Besonderheiten hin. Die Wandung ist durch neun Arkadenfelder gegliedert. Acht Kapitelle tragen eingeritzte Weihekreuze, während ein Feld – das sogenannte Hauptfeld – besonders gestaltet ist.
In den Arkadenzwickeln befinden sich kleine plastische Köpfe. Während man sie früher als „Teufelsfratzen“ deutete, erscheinen sie bei genauer Betrachtung eher als Schutz- oder Bannzeichen. Solche Köpfe gehören zu den ältesten Motiven der Menschheitsgeschichte und dienten in vielen Kulturen dem Schutz heiliger Orte und Gegenstände. Ergänzt wird diese Schutzsymbolik durch ein umlaufendes Taubandmotiv, das als Abwehrzeichen gegen böse Mächte verstanden werden kann.
Im Hauptfeld findet sich – so Reißland – eine Kombination mehrerer Runen. Zusammengenommen ergeben sie ein Heilszeichen der Lebens- und Lichtwandlung und passen damit in bemerkenswerter Weise zur Symbolik der christlichen Taufe. Gerade diese ungewöhnliche Verbindung christlicher und vorchristlicher Zeichen wirft Datierungsfragen auf.
Statt im 11. oder 12. Jahrhundert könnte das Becken bereits im 9. oder 10. Jahrhundert entstanden sein. In dieser Phase war ein Nebeneinander heidnischer und christlicher Symbole durchaus üblich; vertraute Zeichen erleichterten die Christianisierung. Denkbar, so die Historikerin, ist auch ein vorchristlicher Ursprung als Ritualgefäß.
Zwar ist eine eindeutige Datierung bislang nicht möglich, sicher ist jedoch, dass das Hellefelder Taufbecken aufgrund seines Materials, seiner regionalen Herkunft und insbesondere seiner einzigartigen Symbolik ein außergewöhnliches kunst- und kulturhistorisches Zeugnis darstellt. Der Sandsteinsockel des Beckens stammt übrigens aus dem Jahr 1889.

