Turnvereine im Sauerland

Im Sauerland entstanden ab 1860 neue Turnvereine, unter anderem in Arnsberg (1861), Meschede (1882 und 1888), Neheim (1884) und Freienohl (1888).

Am Beispiel Freienohl lässt sich die Turnvereinsgeschichte anschaulich nachvollziehen: Fünf Sportkameraden (Düring, Rocholl, Siepe, Storm und Köster) gründeten 1888 im Gasthof Caspar Siepe einen Turnverein. Die Leibesübungen fanden im Turnlokal Caspar Humpert statt; ein weiteres Vereinslokal war die Gaststätte „Zum grauen Esel“. Damit standen dem jungen Verein drei Gaststätten zur Verfügung, die mit Sicherheit nicht nur zu den alle zwei Jahre stattfindenden Vereinsfesten, sondern wohl regelmäßig nach den Turnübungen aufgesucht wurden.

Die Verbindung von körperlicher Betätigung und gemeinschaftlichem Beisammensein hat sich bis heute gehalten. Als „sozialer Klebstoff“ ist ihre Bedeutung heute vielleicht wieder genauso wichtig wie in vordigitalen Zeiten.

Die weitere Geschichte des Turnvereins Freienohl wurde vom inzwischen beliebten Fußball beeinflusst. 1909 entstand ein eigener Ballspielverein. Erst 1938 schlossen sich der Turnverein von 1888 und der Ballspielverein von 1909 zum TuRa Freienohl (Turn- und Rasensportverein 1888/09 e.V. Freienohl) zusammen.

Die Sportstätten des heutigen TuRa Freienohl
Foto: TuRa Freienohl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Reine Männersache?

Turnvereine waren bis ins 20. Jahrhundert reine Männerbünde. Frauen blieben ausgeschlossen. Eine bemerkenswerte Ausnahme ist jedoch hervorzuheben: 1848 gründeten drei Frauen in Frankfurt den ersten Frauenturnverein. Unterstützt wurden sie von Friedrich August Ravenstein (1809–1881), einem Pionier des Turnwesens. Die Vereinsmitglieder waren emanzipierte Frauen, die Turnen als Teil ihrer körperlichen Ertüchtigung und Befreiung verstanden. Viele trainierten „ungeschnürt“, also ohne Korsett – für damalige Verhältnisse ein Skandal. Diese mutigen Frauen sahen im Turnen einen kulturellen und sozialen Aufbruch. Mit dem Scheitern der Revolution von 1848/49 lösten sich diese frühen Emanzipationsbestrebungen jedoch wieder auf.

Erst im frühen 20. Jahrhundert änderte sich die Situation für Frauen im Sport. Heute treiben zwar immer noch mehr Männer als Frauen Sport, doch profitieren Frauen nachweislich schneller von ihren sportlichen Aktivitäten. Wie auch immer: Sport schadet weder Frauen noch Männern.

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