Ein Beispiel aus Grevenstein
Während und nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) herrschte im Sauerland große Armut. In Grevenstein waren viele Bürger hoch verschuldet und konnten ihre Pacht nicht mehr zahlen. Die Kinder erhielten ihr elementares Wissen daher meist von der Elterngeneration.

Ansichtskarte, Public domain, via Wikimedia Commons
1633 gelang es Pfarrer Michael Stappert zwar nicht, eine Schule einzurichten, aber er konnte zumindest einen Teil der Besoldung eines Lehrers finanzieren. Als 1656 alle Gemeinden verpflichtet wurden, einen Lehrer zu unterhalten, befand sich das Schulwesen in einem desolaten Zustand: Es fehlten sowohl geeignete Räume als auch qualifizierte Lehrkräfte.
Bis 1724 fand der Unterricht für bis zu 100 Kinder im Schulzimmer des Rathauses oder in privaten Räumen statt. Erst 1724 wurde in Grevenstein neben der St.-Antonius-Einsiedler-Kirche das erste Schulgebäude errichtet – ohne Heizung und selbstverständlich ohne Elektrizität. Im Winter musste der Unterricht daher häufig ausfallen. 1905 wurde das Gebäude, eine Holzkonstruktion, abgebaut und als Lagerraum wiederverwendet. 1891 begann der Bau einer neuen Schule für rund 110 Kinder, einschließlich einer Lehrerwohnung.
Geschlechtergerechtigkeit spielte in der höheren Bildung im Sauerland kaum eine Rolle. In Deutschland durften Mädchen erst ab 1896 das Abitur ablegen. Gymnasien waren zudem reine Jungenschulen – und in ländlichen Regionen wie dem Sauerland ohnehin selten.
Fazit
Im ländlichen Sauerland mussten Kinder im 19. Jahrhundert körperlich hart mitarbeiten. Für 9‑ bis 14‑Jährige bedeutete dies oft Arbeitszeiten von täglich zwölf Stunden und mehr, da der Kinderlohn für die Existenzsicherung der Familien unverzichtbar war. Bildung spielte daher nur eine untergeordnete Rolle und blieb entsprechend rudimentär.
Quellen:
https://www.mein-grevenstein.de/pdfs/Grevensteiner-Dorfleben-2018-Schulgeschichte.pdf?m=1550053497&
https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/input_felder/langDatensatz_ebene4.php?urlID=965&url_tabelle=tab_websegmente
https://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/vorlagen/showcard.php?id=2228

