Text: Christel Zidi

In früherer Zeit machte der Nachtwächter in der Silvesternacht seine Runde durch das Dorf. Dabei sang er ein Lied oder blies auf seiner Trompete. Dieser Rundgang war mehr als eine Pflicht: Er galt als Segensgruß für die gesamte Dorfgemeinschaft.

Aber nicht allerorten ging es ruhig und besinnlich zu. Denn, wie wir alle wissen, gehört Lärm seit jeher zum Jahreswechsel. Lange bevor sich jeder Knall- und Feuerwerkskörper im Supermarkt kaufen konnte, vertrieben die Menschen das alte Jahr mit lautem Krachen, Klopfen und Scheppern – auf Töpfen oder mit allem, was ihnen gerade zur Verfügung stand. Mit dieser bewussten, kraftvollen Lärmerei sollten alles Schlechte und die bösen Geister des vergangenen Jahres aus Haus und Ort vertrieben werden.

Bis heute haben sich im Sauerland viele jahreszeitliche Bräuche erhalten. Im ehemaligen Bergwerksort Giershagen etwa, der den einzigen verbliebenen Knappenverein im Sauerland besitzt, wird der Jahresabschluss noch nach alter Bergmannstradition begangen. Dazu gehören eine Bergmannsmesse (Mettenschicht) und das anschließende gesellige Beisammensein.

Interessant ist auch das „Neujahrgewinnen“. Dabei wird versucht, einem anderen mit dem Neujahrsglückwunsch zuvorzukommen. Wer es schafft, kann von dem anderen ein Geschenk verlangen.

In keiner Zeit wird so intensiv versucht, das Glück anzuziehen. Dazu schenkt man zu Neujahr gern Glückssymbole wie das Glücksschwein, den Glückspfennig, Hufeisen, Glücksklee und Schornsteinfeger-Figuren.

Neujahrsbesuche waren häufig mit dem Überbringen von Neujahrsgebäck verbunden. Ein im Rheinland und in Westfalen verbreitetes Gebäck ist das „Neujährchen“, zugleich auch die Bezeichnung für die Neujahrsgabe an Dienstboten, Briefträger, Müllabfuhr und andere.

In Erlinghausen wird ein besonders alter, früher weit verbreiteter Brauch gepflegt. In der örtlichen Bäckerei wird an Silvester der „Niegejohr-Krengel“ gebacken – ein Kranzgebäck mit einer Figur in der Mitte. Er ist traditionell das Neujahrsgeschenk der Paten an ihre Patenkinder.

Etwas einfacher als dieses kunstvolle Gebäck ist das sogenannte „Neujährchen“. Es handelt sich um ein Hefeteiggebäck, das in unterschiedlicher Form in ganz Westfalen und besonders im Rheinland zur Jahreswende gebacken wird. Der Heimatdichter Grimme beschrieb es so: Es bestehe aus zwei Teigsträngen, die in der Mitte miteinander verschlungen seien und an den vier Enden dick und rund ausgeformt würden – als Sinnbild für die vier Jahreszeiten.

Wenn auch Sie „Neujährchen“ backen möchten, gibt es bei uns das Rezept dazu:

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