Von der Königshofkapelle zur Pfarrei
Welche Bedeutung die Pfarrei St. Martin in Bigge über die Jahrhunderte hatte, kann man sich angesichts der Ortsgröße kaum vorstellen. St. Martin in Bigge war ursprünglich – das wird vermutet – eine Königshofkapelle, also Teil einer königlichen Besitz- und Verwaltungsstruktur. Die Tatsache, dass sie dem heiligen Martin gewidmet war, verweist auf ihre Bedeutung, denn die Kapellen, die diesem Heiligen geweiht waren, standen oft an verkehrsgünstigen oder strategisch wichtigen Punkten. Nicht selten entwickelten sich aus ihnen größere Pfarrkirchen – so wie auch Bigge später zu den Urpfarreien des Sauerlandes gezählt wird.
Eine Königshofkapelle war ein Hinweis auf frühe politische Bedeutung und auf eine sehr alte kirchliche Tradition des Ortes. Für Bigge würde das bedeuten: Die kirchlichen Wurzeln reichen wahrscheinlich sogar weiter zurück als die erste urkundliche Erwähnung von 1222, möglicherweise in das 9. oder 10. Jahrhundert. Laut dieser Urkunde tauschte Engelbert I. mit Gräfin Mathilde von Altena das Patronatsrecht an der Kirche in Elsey gegen die Rechte an der Kirche St. Martinus in Bigge. In dieser Urkunde wurde auch ein Conrad (nur mit Vornamen) als „Priester in Bigge“ genannt.
Über Jahrhunderte hinweg prägte die Pfarrei das alltägliche Leben. Der Pfarrer war häufig die gebildetste Person im Ort, führte die Kirchenbücher und übernahm Aufgaben, die heute staatlichen Einrichtungen zukommen. Schule, Armenfürsorge und moralische Orientierung waren eng mit der Kirche verbunden.
Alte und neue Kirche
Die älteste Kirche am Platz muss etwa einen Meter tiefer als die heutige gelegen haben, da man zum Treppenaufgang des Turmes so tief hinabsteigen muss. Der Turm könnte aus dem 11. bis 13. Jahrhundert stammen.
Die Kirche von 1770 wurde während des 2. Weltkrieges verwüstet; es war ein einschiffiges Gebäude mit Kreuzgewölben. Von dem Barocksaal im gotischen Stil sind noch drei Joche erhalten. 1888 und 1889 wurde sie um ein neoromanisches Querschiff erweitert. Zur selben Zeit wurden zwei Sakristeien und ein Betraum für die Familie von Wendt angebaut.
Auf dem Platz, wo einst die Kapelle aus dem 17. Jahrhundert stand, steht die heutige Olsberger Kirche.
Das Pfarrhaus stand im 13. Jahrhundert zunächst in Antfeld, wurde dann aber 1270 nach Bigge verlegt. Dies ist in „Geschichtliche Heimatkunde des Kreises Brilon“ von Studienrat Josef Rüther zu lesen.
Die Glocke von 1545 mit einem Durchmesser von 92 cm wurde 1942 abgeholt und sollte zu Kriegszwecken eingeschmolzen werden. Sie wurde nach dem Krieg auf dem Glockenfriedhof in Hamburg wiedergefunden. Der entstandene Sprung wurde geschweißt, die Glocke dient als Stundenschlag für die Turmuhr.
Olsberg wurde 1768 Filiale und 1915, nach Ablösung von Bigge
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- Zum Beispiel die Hausnamen der Familien von Betten, Busch, Schroers, Hester, Keuthen, von Pastor Joannes Keuthen (1656–1675) und Pastor Hillebrand Keuthen (1675–1690). Bald auch von anderen ehrbaren Gemeindemitgliedern.
- Oben beim Muttergottesaltar saßen fortan Tiggeß Baten, Valentin Hogreben, Gerdt Steineken und Wilhelm Rüter. Eine Bank weiter waren Jost Krop, Caspar Krüper, Cordt Schulten aus Hellmeringhausen und Johann Schulten aus Olsberg verzeichnet. Neben der Orgel hatten Johan Hester, Henrich Kropff, Johan Schulten und Caspar Becker ihren festgeschriebenen Platz.
Quellen:
https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/txt/beitrwff-9554.pdf
Foto Kirche: GR Seventh life, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

